Von Schau-Essen bis Fotomontage: Wie die Habsburger repräsentierten
Wien (APA) - Um im Bewusstsein von Öffentlichkeit und Medien stets präsent zu sein, ersannen die Habsburger allerhand Methoden. Vom Schau-Es...
Wien (APA) - Um im Bewusstsein von Öffentlichkeit und Medien stets präsent zu sein, ersannen die Habsburger allerhand Methoden. Vom Schau-Essen, zu dem gewisse Gruppen geladen wurden, bis zur Fotomontage im 19. Jahrhundert, die dem Kaiser ein Erscheinen an unterschiedlichen Orten ermöglichte. Diesen Formen der Repräsentation - von Musik bis Architektur - widmet sich ab heute, Montag, eine Konferenz in Wien.
„Einen Masterplan hinter all diesen Aktivitäten gab es nicht“, betonte Kunsthistoriker Werner Telesko, Direktor des Instituts für kunst- und musikhistorische Forschungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), im Gespräch mit der APA. Im Vergleich zu anderen Herrscherhäusern wie etwa den Bourbonen in Frankreich sei man durchaus zurückhaltend und wenig offensiv vorgegangen - etwa in Sachen Baupolitik. Bei den Habsburgern sei Repräsentation oft nicht in monumentalen Denkmälern, sondern vielmehr im Rahmen des Zeremoniells und in scheinbaren Nebensächlichkeiten passiert.
Kleinformatige Medaillen oder Münzen spielten für die Monarchen eine größere Rolle als beispielsweise architektonische Erinnerungen. Auf Preziosen wurde besonderer Wert gelegt. „Auch bei Einladungen an den Hof oder der Sitzplatzpolitik ist mit unglaublicher Akribie vorgegangen worden“, meinte Telesko, der die Konferenz „Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture, c. 1618-1918“ mitorganisiert hat.
Kein Wunder also, dass die Habsburger auch zu Schau-Essen einluden: Ausgewähltes Publikum, das normalerweise keinen Hofzutritt hatte, wurde eingeladen, den Herrschenden zu bestimmten Anlässen beim Tafeln zuzuschauen. Dabei ging es jedoch nicht vorrangig um das Essen, sondern „darum, eine bestimmte Schicht über einen kurzen Zeitraum ganz bewusst in den Hof einzubinden und am jeweiligen Ereignis teilhaben zu lassen“, so der Kunsthistoriker. Natürlich zählte dabei auch der visuelle Eindruck: Der Raum, in dem das Festessen stattfand, war ebenso von Bedeutung wie das fein abgestimmte Zeremoniell, die Sitzordnung, die gedeckte Tafel oder die Menüfolge.
Die Habsburger hätten zwar eher anlassbezogen als nach einem durchstrukturierten Kommunikations-Masterplan agiert. Allerdings gab es durchaus Themen, die sich über die Jahrhunderte bewährten. „Bei den Habsburgern war der selbstdefinitorische Charakter stärker als bei anderen Dynastien. Man versuchte, sich mit gewissen besonderen Attributen auszustatten“, erklärte Telesko. Neben dem Anspruch, sich als von Gott auserwählt, fromm und bescheiden darzustellen, bezogen sich die Herrscher des Habsburgerreiches besonders gern auf ihre ruhmreiche Vergangenheit und die enge Verbindung zum Heiligen Römischen Reich.
Idealfigur dieser Repräsentation war beispielsweise der mythische Held und Gott Herkules, nicht nur der „Tugendheld par excellence“, sondern auch noch die perfekte Mischung zwischen irdisch und göttlich und mit seinen zwölf Taten durchaus auf der Erde verankert. Klassische Repräsentationsgesten wie etwa das Familienbild kamen bei den Habsburgern dagegen teilweise relativ spät in Mode: „Man richtete sich durchaus auch nach den europäischen Trends“, schilderte der Kunsthistoriker. Das Familienbild im eigentlichen Sinn wurde beispielsweise durch das englische Königshaus im 18. Jahrhundert salonfähig gemacht.
Im 19. Jahrhundert nahm die Präsenz in den zeitgenössischen Medien ab: Als Gegenmaßnahme griff man auf einen Vorläufer von „Photoshop“ zurück. Per Montage wurden der Kaiser oder andere Repräsentanten an wichtige Schauplätze versetzt. Eigentlich eine immer schon gängige Variante: Denn auch bei Stichen, Gemälden oder ähnlichem wurden oft standardisierte Darstellungen der Herrscher verwendet, „die den Kaisern teils gar nicht ähnlich sahen“.
Die dreitägige Konferenz beschränkt sich dabei aber nicht auf den österreichischen Raum im heutigen Sinn, auch die Darstellungen und Strategien in Musik, Kunst oder Architektur in den ehemaligen Kronländern sind ein wichtiger Programmpunkt. Zudem geht es um das Zustandekommen dieser öffentlichkeitswirksamen Repräsentationen - denn nicht immer waren die Herrscher selber Auftraggeber. Vielmehr spielten die Interessen unterschiedlicher Gruppen von Adel bis Klerus zusammen - diese sozialen und personellen Netzwerke sollen ebenso unter die Lupe genommen werden wie die Frage, welche Teile der Öffentlichkeit mit welchen Mitteln angesprochen wurden.
(S E R V I C E - Konferenz: „Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture, c. 1618-1918“, 8. bis 10. Juni, Theatersaal, Sonnenfelsgasse 19, 1010 Wien, www.oeaw.ac.at)