Wiener Islamistenprozess 4 - Um 500 Euro zum IS
Wien (APA) - Der 22-Jährige, der sich als Einziger der zehn Angeklagten zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft formal schuldig bekannt hatt...
Wien (APA) - Der 22-Jährige, der sich als Einziger der zehn Angeklagten zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft formal schuldig bekannt hatte, erklärte zu seinen Beweggründen, er habe „viele Gründe“ gehabt, um sich zum „Islamischen Staat“ (IS) zu begeben. „Ich wollte meine Religion leben“, gab er in seiner Einvernahme zu Protokoll. Zudem habe er „eine Partnerin finden, heiraten, eine Familie gründen“ wollen.
Der in Grosny geborene junge Mann - seine Mutter ist Tschetschenin, sein Vater stammt aus Dagestan - war im Alter von sechs Jahren nach Österreich gekommen. In der Altun-Alem-Moschee in Wien-Leopoldstadt entwickelte er sich zu einem streng gläubigen Moslem und dürfte sich unter dem Einfluss des dort tätigen Predigers Mirsad O. alias Ebu Tejma - dieser sitzt inzwischen wegen angeblich terroristischer Umtriebe zugunsten des IS in Graz in U-Haft - radikalisiert haben. Er habe die Moschee in der Venediger Au „wie eine Familie“ erlebt, sagte der 22-Jährige. Dort sei die Meinung vertreten worden, „dass man zum IS gehen soll, wenn man Moslem ist“.
Um dorthin zu gelangen, habe er Yunus F. kontaktiert. Er sei davon ausgegangen, dass ihn dieser an die türkisch-syrische Grenze bringen und dass ihn das 500 Euro kosten würde, erklärte der 22-Jährige. Yunus F. habe ihn während der Autofahrt, die nach Syrien hätte führen sollen, aufgefordert, das Handy auszuschalten. Mit den übrigen Mitangeklagten habe er nicht viel gesprochen: „Für mich war klar, dass das alle wissen, dass wir zum IS fahren.“
Er habe „in einem islamischen Staat, nach islamischen Gesetzen“ leben wollen, betonte der 22-Jährige: „Ich wollte den islamischen Staat aufbauen.“ Richter Andreas Hautz konfrontierte den jungen Mann daraufhin mit Chat-Protokollen, die auf seinem Mobiltelefon sichergestellt werden konnten. Demzufolge lobte der 22-Jährige die Altun-Alem-Moschee als „extremistischste Moschee Österreichs“, bezeichnete sich als „glücklich, dass ich in einer Zeit lebe, wo das Kalifat wieder aufgebaut wird“ und kündigte einem Gesprächspartner an, er werde in Syrien an einem „Wettbewerb, wer die meisten Kuffar (Ungläubige, Anm.) Meier macht (tötet, Anm.)“ teilnehmen.