G-7 - Nicht ein Stein bei Gipfel-Protesten geflogen

Elmau (APA/AFP) - Nachdenklich steht ein Polizist vor einem Steinhaufen beim Protestcamp der G-7-Gegner. Bewacht er eine Gefahrenquelle? „Ne...

Elmau (APA/AFP) - Nachdenklich steht ein Polizist vor einem Steinhaufen beim Protestcamp der G-7-Gegner. Bewacht er eine Gefahrenquelle? „Nein, ich plane gerade für zu Hause einen Steingarten“, sagt der Beamte, offenbar auf der Suche nach Inspiration. Die G-7-Gegner aber beachteten den Haufen nicht - die als Krawallmacher angekündigten Demonstranten warfen während des Gipfels auf Schloss Elmau keinen einzigen Stein.

Für den Sprecher des Bündnisses „Stop G7 Elmau“, Benjamin Ruß, ist auch dies eine Botschaft des G-7-Protestes. Friedlich und kreativ sei der gewesen, ein Happening, wie es sein solle, sagt er am Eingang des Protestcamps. Im Hintergrund bauen die für die Zeltlager-Logistik zuständigen Rocker des Motorradclubs „Kuhle Wampe“ in der bayerischen Ortschaft die großen Zelte ab, die bei den Regenfällen der vergangenen Nächte als Rückzugsort gedient haben. Auch das Küchenzelt verschwindet und damit auch das Schild davor: „Der G7-Gipfel ist geschmacklos. Deshalb kochen wir hier für euch!“

Auch wegen solch humorvollen Botschaften hatten viele Garmischer schnell ihre Angst vor den aus der linken Szene kommenden Demonstranten verloren. Immer wieder spazierten oder radelten neugierige Anrainer zum Camp. Und je länger dies dauerte, umso mehr hatten sie dabei: Kuchen und Geldspenden wurden vorbei gebracht. „Wir sind durch die vielen Spenden am Ende ohne Verlust rausgekommen“, sagt Sprecher Ruß. Die Platzmiete, die gemieteten mobilen Toiletten, Strom, Wasser - alles sei gedeckt.

Und nicht nur das: Die Kontakte zu der Bevölkerung hätten auch dazu geführt, dass viele Garmischer bei den starken nächtlichen Regenfällen Demonstranten bei sich aufgenommen haben. Und einige junge Garmischer hätten angekündigt, nun selbst eine linke Gruppierung in der bürgerlichen Kleinstadt am Fuß der Zugspitze aufbauen zu wollen.

Also Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz. Die G-7-Gegner werfen ihrerseits der Polizei aggressives Verhalten vor. Von „Polizeistaat“ ist im Lager des Protestbündnisses immer wieder die Rede. Womöglich lassen sie die Einschränkungen der Demonstrationsmöglichkeiten nachträglich vor Gericht prüfen.

Und auf der anderen Seite blicken die Polizisten auch nach der Überwachung von sechs Tagen friedliches Protestcamp skeptisch auf die Demonstranten. Ein Beamter aus dem Kommunikationsteam, den direkten Ansprechpartnern für die G-7-Gegner, sagt: „Es waren viele fröhliche, junge Leute da. Aber es waren auch einige da, die, wenn sie eine Chance gehabt hätten, uns angegriffen hätten. Aber sie hatten halt keine Chance.“

Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer sagt, es seien „300 bis 500 eindeutig gewaltbereite Autonome“ vor Ort gewesen, auch aus dem europäischen Ausland. Die Zahl ist damit allerdings deutlich niedriger als die kurz vor Gipfelbeginn von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) behaupteten „mindestens 2000 bis 3000“ Gewaltbereiten.

Stimmt also doch der Vorwurf der G-7-Gegner, dass Politik und Polizei mit „Horrorzahlen“ den massiven Einsatz mit Polizisten an jeder Garmischer Straßenecke rechtfertigen wollten? Oder hat am Ende das große Polizeiaufgebot solche Demonstranten abgeschreckt, die wie bei der Eröffnung des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main im März Steine werfen und Polizeiwagen anzünden wollten?

Polizeisprecher Kammerer findet es am Montag für ein abschließendes Resümee noch zu früh. Doch die Stimmung der Polizisten nach der Anspannung am Wochenende verrät Zufriedenheit: Auf den Parkplätzen voller Einsatzwagen stehen Beamte beim entspannten Gespräch. Auf einem Parkplatz nahe dem Pressezentrum machen zwei Polizistinnen ein Zielwerfen mit Steinchen - die ersten und wohl einzigen, die beim G-7-Gipfel fliegen.