Spielzeugklaviere und ein Instrumentenzoo
Verstimmtes zur Einstimmung: Die Klangspuren stellen unter dem Motto „Stimmungen“ alternative Tonsysteme in den Mittelpunkt.
Schwaz –„Wir wollen Stimmung und Stimmungen erzeugen“, sagte Matthias Osterwold, seit 2013 künstlerischer Leiter der Klangspuren, bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Zur Einstimmung auf das Festival (10. bis 27. September) und das diesjährige Motto gab Isabel Ettenauer eine kleine Klangkostprobe auf dem Toy Piano. John Cage machte das Spielzeugklavier 1948 mit seiner „Suite for Toy Piano“ salonfähig. Ettenauer, eine Meisterin auf diesem grundsätzlich verstimmten Instrument, bespielt seit 2001 ausschließlich Spielzeugklaviere. Sie wird auch bei der traditionellen Pilgerwanderung – die heuer erstmals zweitägig von Stanz bei Landeck bis nach St. Christoph am Arlberg führen wird – neue Musik für Toy Piano geben.
Den Klangspuren geht es heuer um „alternative Tonsysteme und Harmoniken“, so Osterwold, „Just Intonation, seltsame Tonleitern, Mikrointervalle, geheimnisvolle Schwebungen, unorthodoxe Spieltechniken“ stehen im Mittelpunkt. Ein Schlüsselprojekt ist „pitch 43_ tuning the cosmos“ (25.9.) des US-amerikanischen Klangvisionärs Harry Partch (1901–1974). Er ertüftelte nicht nur sein eigenes 43-stufiges Tonsystem, sondern entwickelte auch gleich seinen eigenen „Instrumentenzoo“. Ein Set von 50 nicht zuletzt auch visuell ansprechenden Instrumenten ließ das Ensemble Musikfabrik nachbauen und lässt sie nun auch bei den Klangspuren erklingen. Die Auseinandersetzung mit Klangfarben und Harmonik dieser Partch-Instrumente will auch der steirische Komponist Klaus Lang in einem Klangspuren-Auftragswerk „wie in einer Ausstellung“ erfahrbar machen. Lang lädt unter anderem aber auch zu einer Art Prozession auf fahrbarer Orgel zu seinen Konzerten in der Hofkirche und der Silbernen Kapelle (23.9.). Ausgangspunkt ist der Dom zu St. Jakob, die Prozession beginnt im Anschluss an das dortige Carillonkonzert des US-Avantgardisten und Minimal-Music-Pioniers Charlemagne Palestine.
Composer in Residence ist indes Dirigent und Komponist Beat Furrer, Staatspreisträger und „eine der bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten seiner Generation“. Furrer wird neben seinen Konzertauftritten auch mit den Stipendiaten der Klangspuren Internationale Ensemble Modern Akademie arbeiten. Diese sorgen laut Osterwold auch für den „Blockbuster“ des Festivals. Die Kurzkonzerte des Formats „Rent a Musician“ (6.9.) in privaten Tiroler Wohnzimmern seien bereits überbucht.
Der grenz- und genreübergreifende Dialog des Festivals wird heuer fortgesetzt und intensiviert. Hannes Kerschbaumer hat etwa mit stele.blut ein Werk mit Texten des in London lebenden syrischen Dichters Nouri al-Jarrah komponiert (11.9., Hall). Al-Jarrah wird an diesem Abend – eine Koproduktion der Klangspuren, der Akademie St. Blasius und der Internationalen Literaturtage Sprachsalz – selbst anwesend sein. (sire)