EU-Lateinamerika-Gipfel - Ferrero-Waldner hofft auf neuen Elan

Brüssel (APA) - Die frühere österreichische Außenministerin und EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner erhofft sich vom EU-Lateinamerikagipfe...

Brüssel (APA) - Die frühere österreichische Außenministerin und EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner erhofft sich vom EU-Lateinamerikagipfel neuen Schwung für das Verhältnis der beiden Regionen. Das Fehlen bedeutender südamerikanischer Staatschefs dürfe nicht „als Zeichen des Desinteresses der gesamten Region“ gesehen werden, betonte die heutige Präsidentin der EU-Lateinamerika-Stiftung am Montagabend in Brüssel.

Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise sei Lateinamerika zuletzt „nicht immer erste Priorität der EU gewesen“, gestand Ferrero-Waldner ein. Dabei wäre dies aktuell nötiger denn je, haben doch beide Regionen zuletzt im Vergleich zum Rest der Welt an Wettbewerbsfähigkeit verloren, wie Stiftungs-Geschäftsführer Jorge Valdez unterstrich.

Dem Gipfeltreffen am Mittwoch und Dienstag in Brüssel bleibt mit der argentinischen Präsidentin Cristina de Kirchner und den venezolanischen und uruguayischen Staatschefs Nicolas Maduro und Tabare Vazquez freilich gleich die Hälfte der wirtschaftlich so bedeutenden MERCOSUR-Staaten fern. Die viertwichtigste Wirtschaftszone außerhalb der EU gehört mit Kuba und Bolivien zu den einzigen lateinamerikanischen Staaten, mit denen die EU noch kein Handelsabkommen abgeschlossen hat. Die Verhandlungen wurden 2010 wieder aufgenommen, stagnieren aber zusehends. Auf der Bremse stand vor allem Argentinien, aber etwa auch Frankreich und Irland, denen eine Öffnung des Marktes für Agrarprodukte aus dem MERCOSUR-Raum ein Dorn im Auge ist.

Die künftige MERCOSUR-Präsidentschaft Paraguay will nun einen neuen Anlauf starten. Brasilien und Uruguay haben zudem angekündigt, der EU beim Gipfel bilaterale Verhandlungen anbieten zu wollen. Was Ferrero-Waldner grundsätzlich positiv sieht: „Wenn wir eine Mehrheit der EU-Staaten und eine Mehrheit der MERCOSUR-Mitglieder haben, die dahinter stehen, warum nicht?“

Dabei sieht sie durchaus gute Gründe, warum die sogenannten CELAC-Staaten (Lateinamerika und die Karibik) Europa den Vorzug vor China geben sollten, dessen Handelsvolumen in der Region 2013 vergleichbar mit jenem der EU war. „EU-Investitionen bringen einen Mehrwert“, sagte Ferrero-Waldner, während sich China oft auf Wertschöpfung aus Ressourcen konzentrieren und eigene Arbeitskräfte mitbringen würde. Der aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsmacht stattete Kirchner freilich erst im Februar einen Besuch ab, während sie nach einem Besuch bei Papst Franziskus am Sonntag und der Expo in Mailand am Dienstag, dem europäischen Kontinent wieder den Rücken zukehren wird.