Buchbinder und Bach, Alma und Welt - Klassiknews
Wien (APA) - *...
Wien (APA) - *
Buchbinder mit Bach (Sony): Rudolf Buchbinder ist ausgewiesener Experte für Beethoven und Mozart am Klavier. Unter dem lakonischen Titel „Buchbinder Bach“ hat der 68-Jährige nun Johann Sebastian Bachs Partitas 825 und 826 sowie die Englische Suite Nr. 3 eingespielt. Buchbinder verleugnet bei seiner Solointerpretation nicht die Geschichte, die nach dem barocken Meister kam. Frisch, alles andere als getragen, beinahe mozartesk kommen da vor allem die schnelleren Passagen der Werke daher. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Pianist alle Stücke nur durcheilen würde. Die Sarabande der ersten Partita nimmt Buchbinder durchaus mit nobel-melancholischer Zurückhaltung, ohne sich dabei vom barocken Korsett einengen zu lassen. Und dass Buchbinder auf dem Klavier und nicht dem Cembalo spielt, versteht sich von selbst - galt doch auch Bach selbst als Freund des damals modernen Hammerklaviers.
***
Alma auf Weltreise (Col Legno): Seit 2011 gibt es das junge Quintett Alma, in dessen Name sowohl die rurale Alm als auch die Ikone des Wiener Fin de Sciecles mitschwingt. Nach „Nativa“ 2013 ist die dynamische Truppe nun mit „Transalpin“ am Markt und lädt dabei zur musikalischen Weltreise samt tirolerischer Verwurzelung. So präsentierte sich Alma bodenständiger als die bereits etablierte osttiroler Combo Franui und erinnert eher an die Wiener Formation Triology, die einst auf die Reise „Around the World in 77 Minutes“ ging. Oftmals sind dabei die Werke der fünf Alma-Musiker nicht zu verorten. Bei „Finska“ etwa schrauben sich skandinavische Folksweisen ebenso ins Ohr wie irische Folklore. Bei „Morocco“ lassen sich arabische Klänge ebenso heraushören wie österreichische Landmusik und Pop-Riffs. Zugleich bleibt die Grundierung meist nostalgisch-schwermütig, wenn man von Ländlern wie „Tschum Tschum“ vielleicht absieht, oder wenn bei „Wurzhorner“ auch mal gejodelt wird.
***
Paolo Bordogna im Buffo-Rollenreigen (Decca): Paolo Bordogna ist in Österreich noch kein großer Name - durchaus zu Unrecht, wie der italienische Bariton mit seiner aktuellen Einspielung „Tutto Buffo“ unter Beweis stellt. Er vereint dafür legendäre Buffo-Figuren vom Gianni Schicchi von Puccini bis zum Bartolo aus Rossinis „Barbiere di Siviglia“ mit erstaunlicher Modulationsfähigkeit - und ebensolchem Spaß am Spiel. Schließlich lässt der Italiener sich neben jedem Librettoabdruck in voller Maske ablichten - als alter Hutzel-Don-Magnifico ebenso wie als Mamma Agata. Wer das Schauspieltalent live erleben möchte, hat ab dem 11. Juni im aktuellen Durchgang von „Don Giovanni“ an der Wiener Staatsoper die Gelegenheit, wo Bordogna als Leporello zu hören ist - dessen „Madamina, il catalogo e questo“ auch auf der Einspielung zu finden ist.
***
Haydn Quartett würdigt Carl Goldmark (Gramola): Carl Goldmark ist heutzutage weitgehend aus dem musikalischen Gedächtnis Wiens verschwunden, obgleich der vom Plattensee stammende Komponist, der in Deutschkreutz als Sohn eines jüdischen Kantors aufwuchs, hier um 1900 herum große Erfolge gefeiert hatte. Seine Oper „Die Königin von Saba“ machte den Spätromantiker Goldmark 1901 über Nacht berühmt, nachdem er lange Zeit in relativer Armut gelebt hatte. Mittlerweile erlebt zumindest sein Streichquartett Nr. 8 wieder eine kleine Renaissance. Die jüngste Einspielung kommt dabei vom Haydn Quartett, das das viersätzige Werk um das Streichquintett Nr. 9 ergänzt und damit eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass sich die Wiederentdeckung Goldmarks durchaus lohnen könnte.
(S E R V I C E - www.almamusik.at ; www.buchbinder.net ; www.haydnquartett.com)