Aufräumen in See und Sellrain, Spendenkonten eingerichtet
Im Sellraintal und im Paznaun laufen die Aufräumarbeiten an. Das Bundesheer unterstützt in den beiden Gemeinden die unzähligen Helfer.
Sellrain, See – Nach den verheerenden Unwettern im Sellraintal und im Paznaun geht es jetzt ans Aufräumen. Hunderte Helfer sind in Sellrain und See im Einsatz, um Schlamm und Geröll so schnell wie möglich aus Häusern und von Straßen zu schaufeln. Die Aufräumarbeiten werden wohl mehrere Wochen dauern. Die Schäden gehen in die Millionen.
In den beiden Gemeinden sind insgesamt 2.500 Feuerwehrleute im Einsatz. Seit Dienstag stehen 257 Mann des Bundesheers im Einsatz: 150 Soldaten werden in Sellrain für die Aufräumarbeiten eingesetzt. Zwei Katastrophenzüge mit 100 Mann werden nach See entsandt. Zudem stehen zwei Hubschrauber vom Typ „Agusta Bell 212“ für Verbindungs-und Versorgungsflüge zur Verfügung.
40 Hilfskräfte des Roten Kreuzes - acht im Bezirk Innsbruck-Land und 32 im Paznaun - sind in der Betreuungsarbeit eingesetzt. Dazu kommen Hunderte Freiwillige, die in den beiden Orten mit Hand anlegen.
Aufräumarbeiten werden mehrere Wochen dauern
Die Häuser sind teilweise bis in den ersten Stock mit Schotter und Schlamm verschmutzt. In See müssen erst Bagger die vermurten Häuser freilegen, damit Soldaten und Helfer überhaupt in die Gebäude kommen. Dann werden diese per Hand freigeschaufelt. Nach der ersten Erkundung des Bundesheers rechnen die Pioniere mit mindestens vier Wochen, um in See die Schäden zu beseitigen. In Sellrain gehen sie von einer Einsatzdauer von mindestens zwei Wochen aus. Das Heer werde jedenfalls vor Ort bleiben, bis wieder „halbwegs normale Verhältnisse“ herrschten, erklärte ein Sprecher.
Spendenkonten
SPENDENKONTO für See (Raiba Paznaun): IBAN: AT89 3624 8000 0042 5090
SPENDENKONTO für Sellrain „Hochwasser Sellrain 2015“: IBAN: AT44 3626 0000 0070 1805 BIC: RZTIAT22260
SPENDENKONTO des Landes, Kennwort „Land Tirol - Unwetterkatastrophe“ (Hypo Tirol Bank): IBAN: AT18 5700 0000 0020 0000 BIC: HYPTAT22
SPENDENKONTO Caritas Tirol, Kennwort „Unwetter Katastrophe Tirol“ (Raiffeisen Landesbank Tirol): IBAN: AT52 3600 0006 0067 0950 BIC: RZTIAT22
Sollte es wieder stark zu regnen beginnen, befürchtet Landesgeologe Gunther Heißel, dass sich die Situation wieder verschärfen könnte. „Das Wasser kommt an Hängen und Felsen aus Stellen, aus denen es normalerweise nicht kommt.“ Nachdem der Boden so nass ist, könne es sein, dass wieder etwas abrutscht, sagte er.
Millionenschäden in den Gemeinden
Zahlreiche Bewohner der beiden Gemeinden stehen nach der apokalyptischen Nacht vor dem Nichts. Sees Bürgermeister Toni Mallaun schätze am Montag die Schäden an den Häusern in seiner Gemeinde auf rund zehn Millionen Euro. Ähnlich hoch dürften diese auch in Sellrain liegen. Bereits am Montag sicherte Landeshauptmann Günther Platter den Betroffenen „volle Unterstützung“ vom Land zu. Anträge auf Beihilfen aus dem Katastrophenfonds sind bereits möglich. Die Formulare stehen auf der Landes-Homepage zum Downloaden zur Verfügung.
Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat am Dienstag angekündigt, die Betroffenen der Unwetter aus dem Katastrophenfonds finanziell zu unterstützen. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) habe entsprechende Hilfe zugesagt. „Im Anschluss an die Ersthilfe für die Betroffenen geht es darum, möglichst unbürokratisch finanzielle Hilfe zu leisten“, sagte Mitterlehner via Aussendung.
Beide Gemeinden haben für die Betroffenen Spendenkonten eingerichtet. Auch das Land Tirol und die Caritas Tirol haben ein Spendenkonten für die Unwetteropfer eingerichtet. Die Kontonummern finden Sie in der Infobox.
1,2 Millionen Euro Schaden in der Landwirtschaft
In der Landwirtschaft beziffern Experten der Österreichischen Hagelversicherung die Schäden in ganz Tirol nach dem Unwetterwochenende auf rund 1,2 Millionen Euro. Knapp 4.000 Hektar landwirschaftlicher Flächen seien betroffen, heißt es in einer Aussendung. Obst- und Gemüsekulturen, Mais, Kartoffeln und Grünland seien verwüstet worden. Die Versicherung verspricht schnelle Hilfe, Meldungen sind online auf www.hagel.at möglich.
Eines der vorrangigen Ziele ist es, die Hochwasserschutzbauten und die Verkehrswege wiederherzustellen. Auch um großes Gerät überhaupt in die abgeschnittenen Orte im Sellrain bringen zu können. Bis Freitag soll mit Hilfe von Bundesheerpionieren eine Behelfsbrücke gebaut werden, die dann eine beschränkte Zufahrt zwischen Oberperfuss und Sellrain sicherstellen soll. Die Pazanauntal Straße ist seit dem Morgen wieder befahrbar, einige Gemeindestraßen waren aber noch verlegt. Sie sollen aber im Laufe des Tages geräumt werden.
Absicherung der Sellraintalstraße
Bis die Sellraintalstraße (L13) wieder hergestellt ist, wird es nach Ansicht von Landesgeologe Gunther Heißel aber noch mehrere Wochen dauern. Die Fahrbahn wurde zum Teil ganz weggerissen und an mehreren Stellen unterspült. „Wir haben sicher an Verkehrswegen noch einige Schäden festzustellen, weil unsere Fachleute noch nicht alle vermurten oder anderweitig beschädigten Straßenabschnitte speziell im Sellraintal einsehen konnten“, berichtete Sicherheitsreferent Josef Geisler in der Vormittagsbesprechung der Landeseinsatzleitung. Zwischen Kematen und Sellrain gelte es, so rasch wie möglich an zu den Galeriebauwerken zu kommen und Sicherheitsarbeiten auszuführen, erklärte Landesbaudirektor Robert Müller. „Hier sind nämlich Pfahlfundamente freigelegt worden und es besteht Gefahr, dass sie einknicken.“ Durch den Vorbau einer Steinwand und kontrolliertes Hinterfüllen könne eine Sanierung der Galeriebauwerke durchgeführt werden.
Die Straße von Oberperfuss über St. Quirin nach Sellrain ist offen und eine Brückenbefahrung mit Einzellotsung möglich. Das Gewicht ist auf 20 Tonnen beschränkt. Die Straße von Grinzens nach Sellrain ist für Pkw offen. In der Nacht wird diese Straße aber vorsichtshalber für jeden Verkehr gesperrt. Die Straße von Gries nach Sellrain bleibt voraussichtlich bis morgen geschlossen. Die Landesstraße in See ist einspurig für den Pkw- und Lkw-Verkehr passierbar. (smo, TT.com)