Tochter des ermordeten Kreml-Kritikers Nemzow hat Russland verlassen

Moskau (APA/AFP) - Die älteste Tochter des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow hat Russland verlassen und ein Klima des Hasses gegen Opp...

Moskau (APA/AFP) - Die älteste Tochter des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow hat Russland verlassen und ein Klima des Hasses gegen Oppositionelle in ihrem Heimatland beklagt. „Russische Propaganda tötet“, schrieb die 31-jährige Schanna Nemzowa am Dienstag in einer Kolumne in der Zeitung „Wedomosti“.

Die „Informationsmaschine“ von Präsident Wladimir Putin erinnere mittlerweile an die Propaganda „in Nazi-Deutschland“ oder während des Völkermords in Ruanda 1994. Sie nutze „kriminelle Methoden“ und säe „Hass, der Gewalt und Terror verursacht“. Nemzowa, die als Journalistin beim russischen Wirtschaftssender RBK arbeitet, warnte davor, dass die von den Staatsmedien verbreiteten Ressentiments gegen Andersdenkende außer Kontrolle geraten und weitere Opfer fordern könnten. Menschen, die mit dem Hass „infiziert“ seien, könnten „auf eigene Faust neue Verbrechen begehen“.

Nemzowas Anwalt bestätigte, dass die 31-Jährige in ein europäisches Land ausgereist sei. Ihren genauen Aufenthaltsort wollte er aber nicht nennen. „Sie ist zur Zeit im Ausland“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Sie werde „in naher Zukunft“ auch nicht nach Russland zurückkehren, weil sie sich dort wegen der Angriffe auf Oppositionelle nicht mehr sicher fühle. Auch Nemzowa selbst wollte sich nicht zu Einzelheiten äußern. „Das ist mein Privatleben“, erklärte sie in einer kurzen Mitteilung an AFP.

Ihr Vater Boris Nemzow war Ende Februar vor den Mauern des Kreml erschossen worden. Die Ermordung des 55-jährigen Regierungsgegners löste weltweit Bestürzung aus. Der frühere Vize-Ministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher Putins und ein scharfer Kritiker von dessen Ukraine-Politik. Die Ermittler nahmen im März vier Tschetschenen und einen Inguschen fest und beschuldigten die Gruppe, Nemzow im Auftrag ermordet zu haben. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten zurück. Der Auftraggeber ist noch immer unbekannt.