Aliyev-Prozess - Neuer Mordvorwurf gegen Ex-KNB-Chef Mussayev
Astana/Wien (APA) - Gegen Alnur Mussayev, den ehemaligen Chef des kasachischen Geheimdiensts KNB, der sich derzeit wegen Doppelmordes an zwe...
Astana/Wien (APA) - Gegen Alnur Mussayev, den ehemaligen Chef des kasachischen Geheimdiensts KNB, der sich derzeit wegen Doppelmordes an zwei kasachischen Bankern vor einem Wiener Schwurgericht verantworten muss, steht ein neuer Mordvorwurf im Raum. Die Ressortmediensprecherin des Justizministeriums, Dagmar Albegger, bestätigte der APA eine entsprechende Meldung des „Kurier“ (Mittwoch-Ausgabe).
Wie dazu die Sprecherin des Straflandesgerichts, Christina Salzborn, am Dienstagnachmittag auf APA-Anfrage darlegte, liegt seit kurzem ein Auslieferungsersuchen der kasachischen Generalstaatsanwaltschaft vor. Demnach wird von den kasachischen Behörden gegen Mussayev im Zusammenhang mit dem Mord am kasachischen Oppositionspolitiker Altynbek Sarsenbajew ermittelt. Der ehemalige Bürgermeister von Almaty, der sich 2003 der Oppositionsbewegung angeschlossen hatte, war im Februar 2006 per Kopfschuss getötet worden. Auch sein Leibwächter und seine Chauffeurin wurden erschossen.
Laut „Kurier“-Bericht sollen Mussayev und der ehemalige kasachische Botschafter in Wien, Rakhat Aliyev, die Entführung und Ermordung des Oppositionellen in Auftrag gegeben haben. Gegen Mussayev werde wegen „Bildung und Leitung einer organisierten Gruppe zur Begehung von einer oder mehreren Straftaten“ ermittelt, heißt es in dem Artikel. Aliyev ist bekanntlich nicht mehr am Leben - er wurde Ende Februar tot in seiner Zelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt aufgefunden.
Die heimische Justiz hat bisher sämtliche Auslieferungsersuchen Kasachstans abgelehnt und - im Fall der im Jänner 2007 verschwundenen Banker - stattdessen ein Inlandsverfahren gegen Aliyev, Mussayev und Aliyevs ehemaligen Sicherheitsberater Vadim Koshlyak eröffnet. Wann vom Wiener Straflandesgericht über das neue Auslieferungsersuchen entschieden wird, ist derzeit nicht absehbar.
Für Aliyevs langjährigen Rechtsbeistand Manfred Ainedter sind die neu erhobenen Vorwürfe „völlig absurd“. Es handle sich dabei um den Versuch seitens Kasachstans, ein „neues Spielfeld“ zu eröffnen, sollte das in Wien laufende Verfahren schief gehen und Mussayev freigesprochen werden, so Ainedter gegenüber der APA.