Richter vermutet Falschaussage im Deutsche-Bank-Prozess

Frankfurt/München (APA/dpa) - Im Betrugsprozess gegen Spitzenmanager der Deutschen Bank zweifelt das Landgericht München an den Aussagen von...

Frankfurt/München (APA/dpa) - Im Betrugsprozess gegen Spitzenmanager der Deutschen Bank zweifelt das Landgericht München an den Aussagen von zwei Angeklagten. „Mit Verlaub, das klingt für mich nach einer eingeräumten Falschaussage, Herr von Heydebreck“, sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll am Dienstag bei der Befragung des früheren Bankvorstands Tessen von Heydebreck.

„Über das Wort ‚bewusst‘ kann man noch reden.“ Auch in Aussagen des früheren Vorstands Clemens Börsig machte der Münchner Richter Ungereimtheiten aus. „Ein bissel verschwurbelt ist es schon“, sagte Noll. Er hielt den Bankern widersprüchliche Angaben darüber vor, ob die Bank mit dem früheren Medienunternehmer Leo Kirch ins Geschäft kommen wollte, als dessen Imperium im Jahr 2002 ins Wanken geriet.

Heydebreck und Börsig, die gemeinsam mit Co-Bankchef Jürgen Fitschen und dessen Amtsvorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer auf der Anklagebank sitzen, wurden als erste Angeklagte vom Gericht vernommen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sollen die Banker ein anderes Gericht belogen haben, um eine milliardenschwere Schadenersatzklage von Kirch abzublocken. Der Unternehmer, der 2011 starb, hatte die Bank für den Zusammenbruch seines Imperiums im Jahr 2002 verantwortlich gemacht. Die Bank einigte sich schließlich mit Kirchs Erben auf einen Vergleich.

Auslöser der Pleite war nach Kirchs Lesart ein Fernsehinterview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Breuer. Dieser hatte öffentlich Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert. Damit habe Breuer, so die Anklage, Kirch zu einem lukrativen Beratungsmandat für die Bank zwingen wollen. Die Banker haben dies bestritten - unter anderem in dem Schadenersatzverfahren, bei Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft und zuletzt in dem Strafprozess.

Noll befragte Heydebreck und Börsig ausführlich zu ihren früheren Aussagen, die sich nach seinen Worten in wichtigen Einzelheiten nicht decken. Fitschen kam deshalb am Dienstag nicht zu Wort, ihn will der Richter beim nächsten Termin am kommenden Dienstag vernehmen. Breuer und Ackermann wollen zunächst keine Fragen beantworten.

Einen Widerspruch sah Noll darin, dass Heydebreck sich in dem Schadenersatzprozess trotz seiner Erinnerungslücken detaillierter geäußert habe. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wollten die Banker das damalige Gericht damit gezielt in die Irre führen.

Noll sagte, eine entscheidende Frage sei, wie die Bank damals mit ihrem Kreditkunden Kirch habe umgehen wollen. „In medias res: Kirch kommt in Schwierigkeiten. Wie positioniert sich die Deutsche Bank?“, fragte der Richter. Heydebreck gab an, er könne sich an die damalige Besprechung über Kirch in einer Vorstandssitzung nicht mehr erinnern. Sicher sei für ihn lediglich: „Für mich stand immer fest: Mit Kirch macht man kein Geschäft.“

~ ISIN DE0005140008 WEB https://www.deutsche-bank.de/index.htm ~ APA513 2015-06-09/16:49