Falscher Baske, echter Kitsch
„8 Namen für die Liebe” ist der erfolgreichste Film der spanischen Kinogeschichte.
Innsbruck –Zwischen den Tanzeinlagen in einer Flamencokneipe in Sevilla versucht sich Rafa (Dani Rovira) als Standup-Komiker. Sein Klassiker ist der Witz über das baskische Mädchen, das mit Gonorrhoe im Bett liegt und dessen Vater abwinkt, solange es sich dabei um einen Basken handelt. Darüber kann die Baskin Amaia (Clara Lago) nicht lachen. Mit zwei Freundinnen betrinkt sie sich, weil ihr Bräutigam drei Tage vor der Hochzeit abgetaucht ist. Als Alkoholleiche verbringt sie die Nacht in Rafas Bett, ist aber am Morgen unter Hinterlassung ihrer Handtasche verschwunden. Der Kellner, der Andalusien noch nie verlassen hat, betrachtet die Fundsache als Aufforderung, in das mit aus Terrorerzählungen geflochtenem Stacheldraht umzäunte Feindesland zu reisen.
Emilio Martínez-Lázaros „8 Namen für die Liebe” ist eine Übertragung der fanzösischen Blockbuster-Komödien „Nichts zu verzollen” und „Willkomen bei den Sch’tis” auf spanische Verhältnisse. Tatsächlich wurde – Frechheit siegt – Martínez-Lázaros Film zum größten Kassenerfolg der spanischen Kinogeschichte. Zehn Millionen Spanier lachten über das Dahinschmelzen der baskischen Separatisten zu einem jämmerlichen Häufchen, zu dessen Anführer sich ausgerechnet ein andalusischer, des Baskischen nicht mächtiger Kellner aufschwingt. Sogar die Basken lachten, denn die einzige Anspielung auf die terroristische Vergangenheit ist die Weigerung eines Kellners, eine Flasche zu servieren, die sich schnell in einen Molotow-Cocktail verwandeln ließe. Mit solchen Vorgaben könnte inzwischen auch die Tourismuswerbung arbeiten. Wenn ein Kinoerfolg etwas über den Zustand eines Landes erzählt, dann gibt es in Spanien momentan eine große Sehnsucht nach Eskapismus und Kitsch.
Um die Ausgaben für Hochzeitskleid und Fest vom Vater ersetzt zu bekommen, engagiert Amaia, die im Alltag ein Taxi durch die romantisch verschlungenen Gassen ihres Dorfes lenkt, den aufdringlichen Andalusier als falschen Basken und Bräutigam-Darsteller. (p. a.)