Markus Koschuh

Sprachkritik und die Rache aus dem Archiv

© Thomas Boehm / TT

In seinem neuen Programm „Hypo-Ventilieren“ entwirf Markus Koschuh ein Doku-Drama des Grauens – und geht mit den Grünen hart ins Gericht.

Von Joachim Leitner

Innsbruck –Die Rache des Journalisten an der Politik, sagte ORF-Anchorman Robert Hochner einmal, sei das Archiv. Ein Umstand, der wohl auch für das Berufsfeld des Kabarettisten Gültigkeit besitzt. Markus Koschuh jedenfalls hat für sein neues Programm „Hypo-Ventilieren“ den Weg ins Archiv gewagt – und Erstaunliches entstaubt. Und das in mehrfacher Hinsicht.

Zunächst setzt sich Koschuhs Aufarbeitung des Desasters um die Hypo Tirol, deren, naja, eigenwilliges Investitionsverständnis einen kapitalen Millionenschaden zur Folge hatte, durchgängig aus – man möchte es kaum glauben – ernstgemeinten und für die Veröffentlichung bestimmten Aussagen der Handelnden selbst zusammen. Koschuh arrangiert daraus ein Doku-Drama des Grauens, das einmal mehr beweist, dass die ganz reale Kombination aus Ignoranz und Gewinnstreben mehr Satirepotenial hat, als es dem Kabarettisten lieb sein kann. Wer sich da noch auf die Schenkel klopft, hat nichts verstanden. Wie der Titel des Programms bereits nahe legt, bildet die Hypo das dramaturgische Rückgrat des Abends.

Apropos Rückgrat: Das vermisst Koschuh auch nach gut zwei Jahren Regierungsbeteiligung noch immer bei den Tiroler Grünen. Seine Ernüchterung über die Partei, der er sich einst zumindest auf professioneller Basis verbunden fühlte, war ebenso nachvollziehbar wie erwartbar. So erwartbar jedenfalls, dass sich kein Grünen-Vertreter unters Premierenpublikum im Innsbrucker Treibhaus mischte.

Entstaubt hat Markus Koschuh übrigens auch einen Standard der 90er-Jahre-Comedy: Die Marcel-Reich-Ranicki-Imitation. In Gestalt des Großkritikers verreißt er das Schwarz-Grüne Koalitionsabkommen, bleibt die Beispiele für den konstatierten Schwulst, der Inhaltsleere übertünchen soll, allerdings schuldig. Als nachgerade fulminant erweist sich Koschuh im Gegensatz dazu, wenn er sich aufs dünne Eis der Sprachkritik bewegt: Wie Markus Koschuh einen Werbespot der Wirtschaftskammer auf Worthülsen abklopft, ist spektakulär. Davon hätte man gerne mehr gesehen. Dass es im Archiv ganze Regalmeter Material dafür gibt, steht außer Frage.