Wenn das Haus aus dem Hang wächst

Häuser am Hang sind in Tirol nichts Neues, attraktive Lösungen für diese Art der besonderen Grundstücke sind aber doch immer gefragt. Als Ideen-Fundus kann ein neu erschienenes Buch dienen.

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Von Ursula Philadelphy

Innsbruck –Hötting, Sis­trans, Kitzbühel, der Arlberg oder Osttirol ... Die bebauten Hänge in Tirol sind nicht endenwollend, denn im ganzen Land ist Baugrund ein rares und teures Gut. Da bietet sich dann aus verschiedenen Gründen ein Hanggrundstück an – manchmal als einzige Möglichkeit, manchmal um einen atemberaubenden Blick über die Bergwelt oder über die gesamte Umgebung zu haben. Das Bauen auf derartigen Grundstücken ist allerdings immer eine ganz spezielle Herausforderung für Planer und Bauherren.

Der deutsche Architekt, Bausachverständige und Buchautor Johannes Kottjé hat sich in einem eben erschienenen Buch dem Thema „Häuser am Hang“ gewidmet und präsentiert mehr als 20 Bauprojekte aus dem deutschsprachigen Raum, die „attraktive Lösungen für besondere Grundstücke“ bieten.

Mit von der Partie ist ein Holzhaus in Fieberbrunn, das gleich mit mehreren Aspekten besticht. Die Bauherren hatten sich im Zuge jahrelanger Urlaube in der Region in ein steil ansteigendes, als unbebaubar geltendes Hanggrundstück verliebt, das grandiose Ausblicke in viele Richtungen und gleich auf mehrere Gebirgszüge bot. Die Hanglage erforderte allerdings einen mehrgeschoßigen Bau. Außerdem, nachdem die Bauherren schon in fortgeschrittenem Alter sind, musste auch dem Thema der Barrierefreiheit entsprochen werden.

Das Dilemma wurde mit einem Lift gelöst, der insgesamt 200 Quadratmeter Wohnnutzfläche erschließt. Das Gelände wurde durch zwei Stützmauern abgetreppt, wodurch ein Gartenplateau samt Terrasse auf Höhe der vorderen Mauer entstand. Diese vordere Mauer ist zugleich Fassade des Eingangs- und Garagenbereiches. Darüber ragt das eigentliche, zweigeschoßige Wohnhaus vor.

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Am Hang zu bauen, ist eine echte Herausforderung, denn um das gesamte Potenzial der Grundstücke zu nützen, braucht man immer Lösungen jenseits des üblichen Schablonendenkens. Die Beziehung von Hang und Haus muss in einem ersten Schritt analysiert werden. Die erste Frage, die sich dabei meistens stellt, ist, ob man das Haus in das Gelände eingraben will, ob der Baukörper expressiv über dem Hang schweben soll oder ob man am besten Baukörper und Grund ineinanderfließen lassen will.

Dank der neuen technischen Möglichkeiten kann man heute im Prinzip fast an jedem Hang bauen. Das war nicht immer so. Alte Häuser stehen fast ausschließlich auf der Ebene, und das nicht nur in Städten, sondern auch in Berglandschaften. Heute kann man individuell für jedes Grundstück planen und dadurch auch schwierige Hanglagen erschließen – als Dank hat man dann auch gleich eine wunderbare Aussicht – die es allerdings auch in den Innenraum hereinzuholen gilt, und zwar möglichst für jeden einzelnen Raum des Hauses.

Johannes Kottjé thematisiert auch, dass man als Architekt in mehr Dimensionen als üblich denken muss, wenn man einen Hang bebaut: „Gebaut wird, von räumlichen Vertikalverbindungen abgesehen, in horizontalen Ebenen, die es mit der Schräge des Hangs zu kombinieren gilt.“ Auch Terrassen und Balkone müssen mit Haus und Ausblick kombiniert werden. Die ganze Unterteilung sollte dann auch noch „in Einklang ... mit der vertikalen Gliederung nach Himmelsrichtungen“ gebracht werden. Wenn der Hang nach Süden oder Westen abfällt, sind Ausblick und Sonneneinfall ideal zu planen, alles andere wird zur Herausforderung.

Viele der präsentierten Häuser setzen auf große Fensterflächen, die den Rundumblick optimieren. Terrassen sind meist zwischen Haus und Hang positioniert, wodurch ein hohes Maß an Uneinsichtigkeit und Privatheit gegeben ist.

Besonders schön gelöst ist dieses Thema etwa mit einem Atriumhaus im Rheinland. Sehr effizient stellt sich ein gestaffeltes Dreifamilienhaus mit Seeblick am Zürichsee dar und auch am Bodensee hat Kottjé ein Prachtexemplar von Hanghaus aufgetan. Drei verschieden dimensionierte Baukörper sind übereinander geschachtelt, wobei der oberste Block um 90 Grad gedreht ist und das Ganze zu einer spektakulären Skulptur werden lässt.


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