Ein Vater der Pop-Art: Künstler Jim Dine wird 80
New York/Wien (APA/dpa) - Für die Kunst trank Jim Dine sogar aus dem Farbtopf. „Ich liebe, was ich tue, Hilfe!“, schrieb er 1960 während ein...
New York/Wien (APA/dpa) - Für die Kunst trank Jim Dine sogar aus dem Farbtopf. „Ich liebe, was ich tue, Hilfe!“, schrieb er 1960 während eines Happenings in New York auf die Leinwand, dann setzte er die rote Dose erst an den Mund und kippte sich die Farbe schließlich über den Kopf. Was die verstörten Zuschauer miterlebten, war die Geburtsstunde der Pop-Art, und Dine ist einer ihrer legitimen Väter.
Inzwischen gehört er längst zum (Kunst-)Establishment, lehrt an namhaften Universitäten und seine Werke sind in den wichtigsten Museen der Welt zu sehen. Am 13. Juni wird Jim Dine nun 80 Jahre alt. Als der Bursche aus Ohio seine ersten Kunstwerke schuf, gehörten zu seinen Freunden Nachwuchskünstler mit völlig unbekannten Namen wie Jasper Johns, Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Roy Lichtenstein. Der Widerstand gegen deren Pop-Art war nur kurz, bald akzeptierte die Kunstszene die quietschbunten Bilder. Sogar als Dine 1967 US-Präsident Lyndon Johnson neben Chinas Führer Mao Tse-tung abbildete - mit dickem Lippenstift und Lidschatten.
Ansonsten fanden sich Alltagsgegenstände auf seinen Bildern. Eben typisch Pop-Art. Zahnbürsten und Krawatten waren dabei, Gabeln und Pinsel, Werkzeuge - und immer wieder Bademäntel. Was hat dieser Amerikaner nur mit den Bademänteln? Manchmal malt er sogar nur Bademäntel und nennt es „Selbstbildnis“.
Das änderte sich nach einer Krise, während der er sogar in der Psychiatrie weilte. Von da an war das Hauptmotiv seiner Kunst: Herzen. Sie seien ein Symbol für Poesie.
Je älter Dine wurde, desto vielfältiger wurde er. Er stellt nicht nur Bilder in Guggenheim und Tate, auf der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig aus, er ist längst auch für seine Skulpturen und Grafiken und Fotografien bekannt. Er entwarf Bühnenbilder und da er schon einmal beim Theater war auch gleich noch Kostüme.
Selbst in der Poesie ist er zu Hause. Und gleich in mehreren Sparten versuchte er sich in den vergangenen Jahren mit Pinocchio, immer wieder Pinocchio. In jeder Kunstrichtung weiß er, wie gut ein wichtiger Effekt ist. Was macht es da schon, wenn in der roten Farbdose, aus der er 1960 trank, nur Tomatensoße war.