Landesregierungen - Nicht zum ersten Mal Zweiter als Erster
Wien (APA) - In der Zweiten Republik gab es schon einige Fälle, in denen nicht die stimmenstärkste Partei den Regierungschef auf Bundes- ode...
Wien (APA) - In der Zweiten Republik gab es schon einige Fälle, in denen nicht die stimmenstärkste Partei den Regierungschef auf Bundes- oder Landesebene stellte. Zweimal passierte das in Kärnten, einmal in Oberösterreich, nun ist es auch in der Steiermark soweit. Im Bund schaffte es Wolfgang Schüssel (ÖVP) nach der Nationalratswahl 1999 als Dritter zum Bundeskanzler einer schwarz-blauen Bundesregierung.
Am längsten zurück liegt der Fall in Oberösterreich, wie Ex-ÖVP-Klubdirektor Werner Zögernitz vom Institut für Parlamentarismus und Demokratiefragen auf APA-Anfrage erklärte. Im Jahr 1969 erreichte die SPÖ bei der Landtagswahl 46 Prozent der Stimmen und war damit die stärkste Partei im Land. Doch das Amt des Landeshauptmanns blieb ihr verwehrt. ÖVP und FPÖ setzten sich an einen Tisch, Friedrich Peter sicherte Heinrich Gleißner seine Unterstützung zu. Dafür wurden die Freiheitlichen unter anderem mit dem Posten des amtsführenden Landesschulratspräsidenten belohnt.
20 Jahre später war es dann in Kärnten soweit. Auch da ging es um die SPÖ, die im März 1989 zwar mit ebenfalls 46 Prozent die absolute Mehrheit verlor, aber mit großem Vorsprung stimmenstärkste Partei war. Die ÖVP hievte lieber Jörg Haider (FPÖ) in das Amt des Landeshauptmanns, Peter Ambrozy (SPÖ) wurde sein Vize.
Haider wurde nach dem Wirbel um seinen Sager zur „ordentlichen Beschäftigungspolitik“ am 21. Juni 1991 abgewählt. Ambrozy machte sich Hoffnungen auf die Nachfolge, Regierungschef wurde aber ÖVP-Mann Christof Zernatto, und das als Dritter der Wahl von 1989.
Als Dritter an die Spitze schaffte es auch Schüssel nach der Nationalratswahl 1999. Erste war damals die SPÖ mit 33 Prozent, die ÖVP lag mit knapp 27 Prozent nur wenige Stimmen hinter der FPÖ. Trotz der Ankündigung, als Dritter in Opposition zu gehen, wagte der ÖVP-Chef den Tabubruch und ging eine Koalition mit der FPÖ ein. Die Zusammenarbeit überlebte auch die Nationalratswahl 2002 und hielt bis 2006, aus Schwarz-Blau wurde allerdings 2005 Schwarz-Orange.