Kinderhändler-Bande in Neu Delhi zerschlagen
Neu-Delhi (APA/AFP) - Die Polizei der indischen Hauptstadt Neu Delhi hat einen Adoptionsdienst zerschlagen, der dutzende entführte Neugebore...
Neu-Delhi (APA/AFP) - Die Polizei der indischen Hauptstadt Neu Delhi hat einen Adoptionsdienst zerschlagen, der dutzende entführte Neugeborene an fremde Paare verkauft hatte. Drei Mitglieder des Rings seien festgenommen und zwei Kinder befreit worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Den Angaben zufolge hatten sich verdeckte Ermittler als adoptionswillige Eltern ausgegeben, um die Menschenhändler zu überführen.
Die Kinder seien entweder unmittelbar nach ihrer Geburt oder wenig später aus dem Krankenhaus entführt worden, sagte Dependra Pathak von der Polizei. „Es war ein ausgeklügeltes Geschäft. Bisher haben sie den Verkauf von 24 Babys gestanden“, sagte Pathak. In einigen Fällen seien die Babys von ihren verarmten Eltern verkauft worden. Die Kidnapper stellten den Adoptivmüttern in Zusammenarbeit mit Privatkliniken sogar eigene Geburtsurkunden für die Neugeborenen aus.
Für die geraubten Babys sollen die neuen „Eltern“ jeweils bis zu 550.000 Rupien (7.600 Euro) gezahlt haben. Die Polizei der indischen Hauptstadt steht nun in Kontakt mit den Behörden anderer Bundesstaaten, aus denen möglicherweise ebenfalls Neugeborene entführt wurden. So sollen möglichst viele Kinder wieder mit ihren tatsächlichen Eltern vereint werden.
Experten zufolge sind viele adoptionswillige Paare in Indien von den langwierigen und komplizierten Genehmigungsverfahren frustriert. In dem Milliardenstaat gibt es zwar rund 30 Millionen Waisenkinder, jedoch wurden nach Informationen der Regierung beispielsweise 2014 lediglich etwa 2.500 von ihnen legal vermittelt. Der illegale Adoptionsmarkt blüht hingegen. Familien aus ärmlichen Verhältnissen oder Entführer verkaufen Kinder nicht nur an Adoptiveltern, sondern mitunter auch an skrupellose Geschäftsleute, die diese dann später als billige Arbeitskräfte einsetzen.