Mordprozess gegen Ex-Bankangestellte in Graz fortgesetzt

Graz (APA) - Ein Mordprozess gegen zwei ehemalige Mitarbeiter einer Grazer Bankfiliale im Straflandesgericht ist in der Zielgeraden: Ein vor...

Graz (APA) - Ein Mordprozess gegen zwei ehemalige Mitarbeiter einer Grazer Bankfiliale im Straflandesgericht ist in der Zielgeraden: Ein vorher als dritter Angeklagter geführter Verdächtiger wurde von den ausländischen Behörden nicht ausgeliefert, deshalb wurden am Donnerstagvormittag seine belastenden Aussagen verlesen. Für den Nachmittag sind die Schlussplädoyers und ein Urteil geplant.

„Wir haben keine Rückmeldung von den russischen Behörden bekommen. Eine Auslieferung steht damit in den Sternen“, sagte Richter Andreas Rom zu Beginn des vermutlich letzten Verhandlungstages. Der tschetschenische Mann war aber nach der Festnahme der beiden anderen Angeklagten von der Polizei wegen des Verdachts der Beteiligung befragt worden. Seine Aussagen wurden verlesen. Er gestand, bei der Beseitigung von Kübeln mit Beton geholfen zu haben. Außerdem habe er den Transporter angemietet.

Der beschuldigte 30-jährige Ex-Bankangestellte habe ihm anfangs gesagt, er brauche Hilfe beim Entsorgen von Möbeln und Müll. Tatsächlich seien in dem Container, zu dem er zuerst zusammen mit dem 24-jährigen Angeklagten gefahren war, mehrere große schwarze Kübel mit ausgehärtetem Beton gewesen. An mehreren Tagen habe er zusammen mit den beiden - und teilweise auch mit einem von ihnen allein - die Kübel an unterschiedlichen Stellen in der Mur versenkt. Gefüllte Plastiksäcke hätten sie im Restmüll entsorgt, wobei ihm auf einem der Säcke Blut aufgefallen sei.

„Ich dachte an ein geschlachtetes Tier“, sagte der dritte Verdächtige bei seiner Vernehmung zur Polizei. Der 30-Jährige habe dann zu ihm gemeint: „Bruder, es ist alles okay.“ Später aber habe er ihm gestanden, einen Menschen umgebracht zu haben. Er habe ihm gedroht: „Wenn du zur Polizei gehst, bekommst du zuerst von ihnen eine Strafe und dann von mir,“ gab der Tschetschene an. Er fügte hinzu, dass der ehemalige Bankmitarbeiter zu ihm gesagt habe: „Wenn der Körper nicht gefunden wird, ist es kein Mord.“

Für Aufsehen sorgte am Vormittag auch noch die Aussage einer Tierärztin, die im April 2014 an der Mur beim Spazieren mit ihrem Hund einen menschlichen Rumpf gefunden haben will. Sie habe deutlich die Brustwarzen und abgeschnittenen Rippen erkannt, die mit Sicherheit nicht zu einem Tier gehört hätten. „In dem Moment fuhr die Wasserfeuerwehr vorbei und ich informierte sie darüber. Sie sagten, es sei wohl ein Karpfen.“

Als die Feuerwehrleute den „Fleischbrocken“ selbst anschauten, sei er ihnen auch komisch vorgekommen, und sie kündigten an, die Gerichtsmedizin zu holen, gab die Zeugin an. Dann wollten sie das Teil bergen, doch dabei trieb es ab. „Dann war der Karpfen weg“, meinte Richter Rom, denn bis heute ist der Rumpf des Opfers - im Gegensatz zu anderen Körperteilen - nicht gefunden worden.

Trotz der belastenden Aussagen blieben die beiden Angeklagten bei ihren bisherigen Angaben. Sie beschuldigten jeweils den anderen des Mordes und gestanden nur die Veruntreuung sowie die Leichenbeseitigung. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Männer vorher mehr als 220.000 Euro vom Konto ihres Kunden abgezweigt haben. Danach sollen sie den Mordplan geschmiedet und den 54-jährigen Steirer erdrosselt haben. Die Leiche wurde zerstückelt, in Beton gegossen und im Wasser versenkt. Monate später wurden die beiden Bankangestellten verhaftet.