Notdurft auf Dolomitenpässen: Südtiroler Landtag diskutiert Lösungen

Bozen (APA) - Dass es auch auf den ersten Blick ungewöhnliche Anträge gibt, hat der Südtiroler Landtag am Donnerstag bewiesen: Die SVP forde...

Bozen (APA) - Dass es auch auf den ersten Blick ungewöhnliche Anträge gibt, hat der Südtiroler Landtag am Donnerstag bewiesen: Die SVP forderte in einem Beschlussantrag öffentliche Toiletten auf den Dolomitenpässen. Denn in Ermangelung derartiger Möglichkeiten würden Betroffene „alternativ zur Toilette“ meist einen „größeren Stein oder einen Strauch aufsuchen“, wie es in dem Antrag heißt.

Die Landesregierung solle nun diese Möglichkeit prüfen, sich mit den Nachbarprovinzen absprechen und die nötige Finanzierung vorsehen, hieß es. Die Anlagen sollten gegebenenfalls auch privatwirtschaftlich geführt werden können. Die Initiative gehe von Bergsteigern aus, die vor geschlossenen Hütten nicht wüssten, wo sie ihre Notdurft verrichten oder ihren Müll entsorgen sollen, erklärte Erstunterzeichner LAbg. Albert Wurzer (SVP). „Als Hinterlassenschaft findet sich so neben Exkrementen fast jede Form von Müll...“, wie es im Beschlussantrag hieß. Freilich sei zunächst die Machbarkeit des Vorhabens zu überprüfen.

Der Freiheitliche LAbg. Walter Blaas meinte in seiner Wortmeldung, dass auch kleine Umbauten an bestehenden Gebäuden denkbar wären. Zudem wies er darauf hin, dass etwa in Brixen nur drei öffentliche Toiletten vorhanden seien. Für den Landtagsabgeordneten der „Süd-Tiroler Freiheit“, Bernhard Zimmerhofer, geht der Antrag zwar in die richtige Richtung, „aber zu wenig weit“. Denn immer wieder finde man Müll auch an den Böschungen der Bergstraßen. Und dies sei für ein Tourismusland „peinlich“.

Auch die Landtagsabgeordnete der Grünen, Brigitte Foppa, sieht die Notwendigkeit dieser Anlagen. Sie versteht aber nicht den Sinn einer privatwirtschaftlichen Führung. Bei der Umsetzung des Beschlusses seien auch die Landschaftsschutzbestimmungen einzuhalten. Das Anliegen sei berechtigt, argumentierte LAbg. Alessandro Urzi (Alto Adige nel cuore), aber die Situation der Passstraßen werde übertrieben dargestellt. An den meisten Pässen gebe es bereits Dienstleistungsbetriebe, an die man sich anschließen könnte, satt neue Strukturen zu errichten.

SVP-Landesrat Richard Theiner wies auf eine anstehende Unesco-Inspektion hin. Vor diesem Hintergrund werde man sich auch mit den Gemeinden zusammensetzen, um vor allem Maßnahmen zum Verkehrsaufkommen zu besprechen. Den Verlust des Welterbe-Status könne man sich nicht leisten. Theiner kündigte an, dass man die Machbarkeit im Sinne des Antrags prüfen werde. Er denke aber nicht an neue Strukturen, sondern an Vereinbarungen mit Betrieben vor Ort, erklärte der Landesrat.

Der Antrag wurde in mehreren Teilabstimmungen mit breiter Mehrheit angenommen.