Wegen Spielzeugpistole erschossen: Polizisten sollen auf Anklagebank
Nach der Erschießung des zwölfjährigen Tamir Rice in Cleveland empfiehlt ein Gericht ein Strafverfahren gegen die zwei beteiligten Polizisten. Die Entscheidung über eine Anklage liegt allerdings bei der Staatsanwaltschaft.
Chicago – Nach den tödlichen Schüssen auf einen mit einer Spielzeugpistole herumfuchtelnden schwarzen Teenager in Cleveland hat ein US-Gericht die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden beteiligten Polizisten empfohlen. Er sehe die Grundlage für eine Anklage, erklärte Richter Ronald Adrine nach Angaben des Fernsehsenders ABC am Donnerstag (Ortszeit).
In den USA gab es zuletzt wiederholt Proteste wegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner. Für eine Anklageerhebung ist laut Gesetz letztlich nicht das Gericht zuständig, sondern die Staatsanwaltschaft. Im US-Staat Ohio gibt es jedoch eine Regelung, nach der Bürger an der Anklagebehörde vorbei die Richter anrufen können, um eine Klage zu erreichen. Die Aktivistin Rachelle Smith, die mit anderen das Gericht in Cleveland eingeschaltet hatte, begrüßte die Empfehlung des Richters. „Das ist nicht das Ende des Weges, aber es ist ein Schritt und er ist ermutigend“, sagte Smith dem Nachrichtenportal Cleveland.com.
Nur Sekunden nach Eintreffen bereits gefeuert
Tamir Rice war Ende November in einer Parkanlage in Cleveland erschossen worden. Die Polizisten hielten eine Waffenattrappe, die der Zwölfjährige in den Händen hielt, nach eigenen Angaben für echt. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, dass die Beamten nach der Ankunft am Ort des Geschehens binnen Sekunden Schüsse auf den Teenager abgaben. Angaben eines Anrainers, der beim Alarmierungsanruf bei der Polizei von einer vermutlich unechten Waffe in den Händen des Kindes sprach, wurden den Polizisten offenbar nicht übermittelt.
Die tödlichen Schüsse auf Tamir Rice waren einer von vielen Vorfällen, bei denen weiße US-Polizisten in den vergangenen Monaten unbewaffnete Afroamerikaner erschossen. Sie lösten damit landesweit immer wieder Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus.
Todesschütze könnte wegen Todschlags angeklagt werden
Die beiden Polizisten, die an dem Einsatz in Cleveland beteiligt waren, waren damals 26 und 46 Jahre alt. Für den Todesschützen zog Richter Adrine am Donnerstag eine Anklage wegen Totschlags in Betracht. Die Behörde des Sheriffs hatte in der vergangenen Woche ihre Untersuchung zum Fall von Tamir Rice abgeschlossen. Sie legte der Staatsanwaltschaft einen Bericht vor. Bis zu einer endgültigen Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage gegen die beiden Beamten erhebt, können noch Monate vergehen. (APA/AFP)