Bachmann-Preis: Für Anna Baar war Schreiben lange etwas „Heimliches“
Klagenfurt (APA) - Anna Baar hat immer schon gerne geschrieben. Allerdings waren die Ergebnisse die längste Zeit nicht für die Öffentlichkei...
Klagenfurt (APA) - Anna Baar hat immer schon gerne geschrieben. Allerdings waren die Ergebnisse die längste Zeit nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Erst vor drei Jahren wagte sie sich mit Gedichten an die Öffentlichkeit und gewann gleich den Klagenfurter Lyrikpreis. Im August erscheint nun ihr Debütroman, die Einladung zu den am 1. Juli startenden Tagen der deutschsprachigen Literatur sieht sie als Auszeichnung.
„Das Schreiben war für mich lange Zeit etwas Heimliches“, erklärt die zweifache Mutter und Doktorin der Philosophie im APA-Gespräch. Der Grund dafür liegt in ihrer Familiengeschichte. Baars Mutter stammt aus Dalmatien, ihr Vater ist Österreicher. Die Sommerferien verbrachte die junge Anna jedes Jahr bei ihrer kroatischen Großmutter auf der Insel Brac. Baar: „Das Schreiben war in diesen Monaten die einzige Möglichkeit für mich, meine Vatersprache beizubehalten.“ Denn in Gegenwart ihrer durch den Zweiten Weltkrieg geprägten Großmutter durfte sie nicht deutsch sprechen, die Sprache des Feindes.
Um über den Sommer das Deutsch nicht zu verlernen, schrieb Anna Baar lange Briefe, erst an die Eltern, später auch an Freundinnen. „Da aber auf der Insel ja nicht viel passiert ist, habe ich immer wieder auch Dinge aus meiner Fantasie geschrieben.“ Ihre deutschsprachigen Blätter musste sie vor der Großmutter verstecken. Das prägte, auch später schrieb sie immer wieder Texte, um sie danach wieder zu zerstören. „Das hat erst aufgehört, als ich meinen ersten Laptop hatte, da habe ich meine Texte dann doch gespeichert und nicht mehr vernichtet.“
Nach Jahren in der Kommunikationsabteilung eines großen Kärntner Unternehmens hat sich die 42-Jährige inzwischen mit einer Agentur selbstständig gemacht. Dort produziert sie „alles, was die Leute geschrieben haben wollen“, von Ghostwriting bis zu PR-Texten. Ihre literarischen Ambitionen versteckte sie weiterhin, bis sie 2012 zufällig die Ausschreibung für den Klagenfurter Lyrikpreis sah. „Ich habe das gesehen und beschlossen, das kann ich auch.“ Sie schrieb eine Reihe von Gedichten, reichte sie ein und gewann den Preis. Ihre Prosa blieb indes weiter verborgen, bis ein Freund sie im richtigen Moment darum bat, ihm doch einmal eine Leseprobe zu geben. Baar gab nach einigem Zögern nach und übermittelte einige Seiten. „Und dann haben die Dinge eben ihren Lauf genommen“, meint sie.
Inzwischen verlegt der Wallstein-Verlag ihren Roman „Die Farbe des Granatapfels“, der im August erscheint. Einer der neuen Juroren des Wettbewerbs, Stefan Gmünder, schlug Baar für die Tage der deutschsprachigen Literatur vor, und plötzlich steht sie im Rampenlicht. Als Schriftstellerin will Anna Baar aber nicht bezeichnet werden, „das wäre doch noch um Einiges zu hoch gegriffen“. Erwartungen beim Lesewettbewerb will sie sich nicht machen, „ich freue mich einfach, dabei zu sein“. In Zagreb geboren, will Baar aber nicht als quasi mehrsprachige Autorin gelten. „Ich bin hier aufgewachsen, und ich schreibe auch ausschließlich auf Deutsch.“