„Ohne Spange droht Verkehrskollaps“
Kurz vor Beginn der Bürgerbefragung in Mils formieren sich Befürworter der Verkehrsspange Hall-Ost. Sie fürchten um die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Mils, wenn das Projekt nicht umgesetzt wird.
Von Michael Domanig
Mils –Von 17. bis 30. Juni findet in Mils eine schriftliche Bürgerbefragung zum Mobilitätskonzept Hall-Mils statt – und die Errichtung der Spange Hall-Ost, des umstrittenen Kernstücks dieses Konzepts, werde dabei „direkt abgefragt“, betont Bürgermeister Peter Hanser. Der Befragungstext sei mit allen Fraktionen abgestimmt worden. Angeschrieben werden alle wahlberechtigten Bürger mit Hauptwohnsitz in Mils.
Im Vorfeld der Befragung formieren sich nun auch die Befürworter der Spange Hall-Ost: Die Plattform „Pro Mils“, erst vor zehn Tagen ins Leben gerufen, versammelt über 40 Milser Bürger, Wirtschaftstreibende und Gemeinderäte. „Es geht um sachlich-fachliche Information“, meint Sprecher Albert Gfrerer, Gemeindevorstand der Bürgermeisterliste „Gemeinsam für Mils“ und zugleich Unternehmer im Milser Gewerbepark. Ohne die Spange, die das Nadelöhr Unterer Stadtplatz in Hall (mit täglich 20.000 Fahrzeugen) entlaste, drohe endgültig der Verkehrskollaps, ist sich die Plattform sicher. Die aktuelle Verkehrssituation gefährde den Wirtschaftsstandort Mils: Pendler hätten schon jetzt Schwierigkeiten, den Gewerbepark pünktlich zu erreichen: „Für die Strecke Zirl – Mils braucht man inzwischen oft eine Stunde“, berichtet Gfrerer. „Schon kleine Baustellen führen zum Chaos“, auch die Busse stünden dann im Stau. Schon jetzt würden aufgrund der Verkehrsüberlastung viele Lenker durchs Wohngebiet ausweichen. „Durch den aktuellen Stop-and-go-Verkehr in Mils und Hall benötigt alleine der Wedl-Fuhrpark mit 25 Lkw 40 Tonnen Diesel pro Jahr mehr“, rechnet Unternehmer Leopold Wedl jr. vor. Gfrerer erinnert daran, dass Mils „noch vor 30 Jahren eine eher arme Gemeinde gewesen“ sei, durchs Gewerbe habe man es zu „erheblichem Wohlstand“ gebracht. Dies stehe nun auf dem Spiel, ebenso die Kommunalsteuereinnahmen. Aus all diesen Gründen brauche es eine direkte Autobahn-Anbindung für Mils und sein Gewerbegebiet mittels Spange.
Die Anrainer in der Milser Dorfstraße, auf die durch die Spange eine erhöhte Verkehrs- und Lärmbelastung zukäme, will man mit einem Maßnahmenpaket unterstützen, zu dem eine weitere Geschwindigkeitsreduktion, Radarüberwachung, das Einziehen einer Schwelle oder Lärmschutzmaßnahmen zählen könnten.
Der hausgemachte Milser Verkehr soll durch den Ausbau von Radwegen und Öffi-Verbindungen in der Region eingedämmt werden, führt GR Daniel Pfeifhofer aus. Er verweist auf die Buslinie 4, die noch heuer im Viertelstundentakt bis Mils verlängert wird. Eine S-Bahn-Haltestelle für Mils werde derzeit von den ÖBB geprüft, „und es soll nicht so schlecht ausschauen“.