Prozess um Mord an Studentin in Türkei begonnen
Istanbul (APA/AFP) - Vor einem Gericht im südtürkischen Tarsus hat am Freitag der Prozess wegen der brutalen Ermordung der Studentin Özgecan...
Istanbul (APA/AFP) - Vor einem Gericht im südtürkischen Tarsus hat am Freitag der Prozess wegen der brutalen Ermordung der Studentin Özgecan Aslan begonnen. Der Hauptangeklagte, der 26-jährige Kleinbusfahrer Ahmet Suphi A., sagte laut Medienberichten, das Opfer habe ihn beleidigt und einen „Hund“ genannt. Die Anklage wirft dem Mann vor, die 20-jährige Studentin nach einem Vergewaltigungsversuch erstochen zu haben.
Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich Mitglieder von Frauengruppen mit Plakaten und Fotos des Opfers, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Zu dem Prozess hatten sich rund tausend Anwälte aus der ganzen Türkei als Vertreter der Nebenklage angemeldet. Laut Anadolu wurden wegen der strengen Sicherheitsvorkehrungen im Gerichtsgebäude von Tarsus dort alle anderen am Freitag anstehenden Prozesse auf spätere Termine verschoben. Die drei Angeklagten waren in der Nacht aus der Untersuchungshaft nach Tarsus gebracht worden.
Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haftstrafen für den Hauptangeklagten und zwei mutmaßliche Komplizen. Laut Anklage fuhr Özgecan am Abend des 11. Februar in Tarsus im Kleinbus von Fahrer A. Der Mann lenkte das Fahrzeug laut Anklage in ein Waldstück und fiel über die junge Frau her. Dann soll A. Özgecan mit einer Eisenstange geschlagen und anschließend auf sie eingestochen haben. Um DNA-Spuren zu vernichten, schnitt er laut Anklageschrift dem Opfer die Hände ab. Der Vater von A. und ein Freund halfen dem mutmaßlichen Mörder, die Leiche von Özgecan in einem abgelegenen Gelände zu verbrennen. Die drei wurden wenig später gefasst.
Bei den Vernehmungen beschuldigten sich die Angeklagten gegenseitig, nach dem Mord die Leiche der jungen Frau verbrannt zu haben. Der Kleinbusfahrer sagte, er sei in voller Panik gewesen, während sein zur Hilfe gerufener Freund völlig ruhig gewesen sei. Nach einigen Berichten ging der Freund darauf auf den Busfahrer los.
Der Tod der Studentin hatte in der ganzen Türkei große Empörung und Demonstrationen gegen die anhaltende Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Im vergangenen Jahr wurden dem Internetportal Bianet zufolge 281 Frauen getötet. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es demnach 120 Opfer.
(NEU: Aussagen der Angeklagten)