Diözese Graz-Seckau - Österreichs flächenmäßig größte Diözese

Graz (APA) - Wilhelm Krautwaschl übernimmt mit seiner Bischofsweihe die Leitungsverantwortung in der flächenmäßig größten Diözese Österreich...

Graz (APA) - Wilhelm Krautwaschl übernimmt mit seiner Bischofsweihe die Leitungsverantwortung in der flächenmäßig größten Diözese Österreichs. Er steht als Bischof u.a. 452 Priestern, 78 ständigen Diakonen sowie 164 Pastoralassistierenden vor. In den 388 Pfarren leben rund 850.000 Katholiken. Zuletzt wurde die Diözese, deren Geschichte bis ins 13. Jhdt. zurückreicht, von Bischof Egon Kapellari geleitet.

Der Ursprung der steirischen Diözese geht laut Informationen des Ordinariats ins Jahr 1218 zurück. Damals gründete Erzbischof Eberhard II. von Salzburg das Bistum Seckau in der Obersteiermark. Das Territorium umfasste lediglich einen schmalen Streifen von Seckau über das Murtal und die Stubalpe in das Kainachtal und zur Mur bei Wildon. Die Stiftskirche des Augustinerchorherrenstiftes Seckau wurde zur Kathedrale ernannt. Im Verlauf des Spätmittelalters vergrößerte sich das Bistum.

Unter Kaiser Joseph II. (1780-1790), der Klöster mit hauptsächlich kontemplativer Tätigkeit aufheben ließ, wurde der Bischofssitz nach Graz verlegt, und in der Landeshauptstadt ein eigenes Domkapitel geschaffen. Die unter Kaiser Friedrich III. als Hofkirche der Grazer Burg errichtete Ägidiuskirche ist seither die Kathedralkirche der Diözese. Durch die 1786 durchgeführte Diözesanregulierung vergrößerte sich die Zahl der Gläubigen des Bistums um mehr als das Zehnfache.

Seit 1964 heißt das Bistum, das heute rund 16.380 Quadratkilometer umfasst und dessen Grenzen mit denen des Bundeslandes Steiermark weitestgehend identisch sind, Diözese Graz-Seckau. Im Jahr 1969 wurde Johann Weber zum Bischof geweiht. Er begann sehr rasch, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umzusetzen und errichtete 1969 in seiner Diözese Pfarrgemeinderäte und 1970 einen Diözesanrat und führte Laientheologen als Pastoralassistenten ein. 1971 bestellte er eine Ordensfrau in einer priesterlosen Pfarre, 1975 ließ er verheiratete Männer zu ständigen Diakonen weihen. Viele Forderungen des Kirchenvolks-Begehrens von 1995 lehnte Weber ab, sah darin aber einen Anstoß für die Kirche „nicht sitzen zu bleiben“.

2001 legte Weber die Leitung seiner Diözese aus gesundheitlichen Gründen nieder. Ihm folgte der damalige Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt, der aus dem obersteirischen Leoben gebürtige Egon Kapellari. Ab 2001 leitete Kapellari die Referate Liturgie sowie Kultur und Medien in der Österreichischen Bischofskonferenz. Seit 2008 gilt das beim letzten Papstbesuch in Österreich verwendet Motto „Auf Christus schauen“ als Leitwort für zahlreiche Aktionen und Initiativen der Diözese. Ziel der katholischen Kirche in der Steiermark ist es seither, mit unterschiedlichen Angeboten Menschen zur Auseinandersetzung mit dem Glauben zu motivieren. Kapellaris Rücktrittsgesuch als Diözesanbischof mit 75 Jahren wurde 2011 abgelehnt, am 24. Jänner 2015 gab er in einem Hirtenbrief seinen Rücktritt bekannt. Am 16. April 2015 wurde Wilhelm Krautwaschl von Papst Franziskus zum Diözesanbischof ernannt.

Die katholische Kirche in der Steiermark stehe zurzeit vor großen Herausforderungen und auf den neuen Bischof warte viel Arbeit, schilderte Diözesanadministrator Heinrich Schnuderl anlässlich der Ernennung von Krautwaschl zum neuen Bischof: Der Trend der Urbanisierung bringe Verschiebungen der Bevölkerungsdichte in vielen Teilen des Landes mit sich. Dazu kämen u.a. wirtschaftliche Umwälzungen, Zuwanderung und damit auch eine Pluralisierung der religiösen Gemeinschaften. Dies seien gesellschaftliche Wandlungen, die auch die Kirche beträfen. Zwar gehören etwa 70 Prozent der Steirer - also etwa 844.000 Personen - der katholischen Kirche an, die Kirchenbindung habe sich aber bei vielen verändert.

Mit der Weihe von Krautwaschl zum Bischof erhält die Diözese einen neuen Oberhirten. Neben den 452 Welt- und Ordenspriestern, 78 ständigen Diakonen sowie 164 Pastoralassistenten wird das kirchliche Leben der Diözese laut der Diözese wesentlich von rund 40.000 ehrenamtlichen Engagierten - davon etwa 4.860 Pfarrgemeinderäten - getragen.