Nova Rock - Fiva stieß auf offene Ohren: „Ich bin sehr begeistert“

Nickelsdorf (APA) - Nova Rock - das bedeutet im Normalfall harte Gitarren, treibendes Drumming und durch moshende Fans aufgewirbelter Staub....

Nickelsdorf (APA) - Nova Rock - das bedeutet im Normalfall harte Gitarren, treibendes Drumming und durch moshende Fans aufgewirbelter Staub. Dass es (musikalisch) auch anders geht, ohne an Intensität einzubüßen, hat Rapperin Fiva am Abschlusstag des diesjährigen Festivals bewiesen. „Es hat total viel Spaß gemacht, ich bin sehr begeistert“, freute sie sich danach.

Kein Wunder, stand zum Zeitpunkt ihres Auftritts doch die Sonne unbarmherzig am Himmel und waren Schattenplätze vor der Red Stage noch Mangelware - und dennoch wurde von der ersten Sekunde an gefeiert. Mit ihrer vierköpfigen Band ließ die gebürtige Münchnerin das Publikum nicht an Hitze oder Schweiß denken: Bei „Die Stadt gehört wieder mir“ wurde gemeinsam gesungen, beim energetischen „Glotz nicht, schüttel dich“ der Titel konsequent befolgt.

Kostverweigerer waren unter den Anwesenden keine auszumachen. „Bei einem Festival dieser Größe geht es auch viel um Zeltplatz, Tradition und Abhängen“, erläuterte Fiva, die bürgerlich Nina Sonnenberg heißt, nach dem Konzert im APA-Gespräch. „Wahrscheinlich würden 50 Prozent kommen, egal welche Musik läuft. Nicht, dass die völlig beliebig wären in ihrem Geschmack. Aber Institutionen wie Rock am Ring oder eben Nova Rock sind Sachen, da war man schon immer, da will man wieder hin.“

Positiv sah Fiva den relativ hohen Frauenanteil im Line-up - gerade wenn man es mit anderen österreichischen Festivals vergleicht. „Ist doch spitze.“ Dass das Live-Business dennoch oft eine männliche Angelegenheit ist, habe wiederum verschiedene Gründe. „Es gibt einmal eine Grauzone, die ich nicht verstehe. Ich kenne viele musikalische Frauen, das ist absolut geschlechterunspezifisch. Aber manchmal gibt es verkrustete Strukturen. Man schließt Frauen nicht bewusst aus, aber kommt auch gar nicht auf die Idee. Braucht man einen bestimmten Act, hat man zuerst drei Männernamen im Kopf - und die bucht man dann.“

Der Musikerin gab sich auf das Thema angesprochen aber recht diplomatisch. „Ich unterstelle da keine Böswilligkeit und keinen Sexismus, sondern ein Alltagsdenken. Ich würde mir sehr wünschen, dass sich das ändert. Die Frage ist: Wer möchte Veränderung, wer möchte sie nicht? Es geht am Musikmarkt natürlich immer auch um Konkurrenz“, bilanzierte Fiva.

Unabhängig davon wird sie mit ihrem aktuellen, im Vorjahr veröffentlichten Album „Alles leuchtet“ im Herbst erstmals auf Hallentour gehen. „Das ist so aufregend“, meinte Fiva. Entsprechend stünde nicht unbedingt die Arbeit an neuen Songs, sondern an der Live-Show im Vordergrund. „Wir überlegen uns natürlich, was man noch toller und geiler machen kann, wenn da statt 500 im besten Fall 1.500 Leute stehen.“ Kreativ sei man aber so oder so, auch unterwegs, gemäß der Devise „Musik hören, bisschen selber Musik machen, sich Texte überlegen“.

Wie viel Liebe die Rapperin in ihre Songs legt, davon konnte man sich auch am Sonntagnachmittag überzeugen: Neue Stücke wie „Einen Sommer lang nur tanzen“ oder „Du bist nicht mein Monster“ sprühen wie eh und je vor Wortwitz, punkten aber gleichermaßen mit einer sehr diversen und eingängigen Instrumentierung. Da braucht es eigentlich keine Ablenkungen von der intensiven Performance des Quintetts.

Wobei Fiva durchaus zugibt: „Wenn ich die Möglichkeit hätte, alleine vom Transport, ich hätte nur Konfettikanonen“, schmunzelte sie. „Bei der Hallentour wird natürlich was passieren - zwar kein Konfetti, aber da wird schon mehr sein. Umso größer die Menschenmenge vor dir ist, umso größer muss die Produktion werden. Das wächst aber organisch.“ Von „Metallica-Problemen“ sei man noch weit entfernt, lachte die Musikerin, die im Sommer bei FM4 auch wieder die Sendung „Unter Palmen“ moderieren wird.

Bleibt die Frage, ob die Musik im Laufe der Zeit zur Arbeit wird - oder gar langweilig. „Die Arbeit ist das Reisen. Langweilig wird es aber nie“, stellte Fiva klar. „Dafür ist jedes Konzert anders. Beim Spielen haben wir das große Glück, dass wir gemeinsam mit dem Publikum etwas machen - da passiert eine Energie, von der ich oft selber nicht weiß, wo sie her kommt. Da ist ein Austausch da, das kenne ich nur von uns, weil etwas extrem Empathisches passiert. Außerdem ist meine Band eine Wand. Da kann man gerne auf zehn, zwölf Effekte verzichten.“ Überzeugen kann man sich davon u.a. am 8. Oktober in der Wiener Arena.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - www.ninafivasonnenberg.de)