Mitbewohner mit Axt erschlagen: Mordprozess mit Schwierigkeiten 1

Wien (APA) - Der Mordprozess gegen einen 52-jährigen Frühpensionisten, der am 27. Oktober 2014 in seiner Wohnung in Wien-Meidling einem Mitb...

Wien (APA) - Der Mordprozess gegen einen 52-jährigen Frühpensionisten, der am 27. Oktober 2014 in seiner Wohnung in Wien-Meidling einem Mitbewohner mit einer Axt den Schädel gespalten haben soll, hat am Dienstag im Landesgericht mit gewissen Schwierigkeiten begonnen. Zunächst fanden die Geschworenen nicht den richtigen Verhandlungssaal. Dann taten sich Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten auf.

Der Prozess startete mit einer Verspätung von 40 Minuten, nachdem endlich die erforderlichen acht Geschworenen versammelt waren. Der Angeklagte, der mit bloßen, in Badeschlapfen steckenden Füßen, einem Pyjama und einem übergeworfenen hellblauen Hemd in den Gerichtssaal gebracht wurde, machte einen verwirrten, indisponierten Eindruck. Er vertrage „die Chemie nicht“ und habe rasende Kopfschmerzen, erklärte der Mann, der vor wenigen Tagen von der Justizanstalt Wien-Josefstadt in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt worden sein soll.

Verteidigerin Irene Pfeifer stellte darauf einen Antrag auf Verlegung des Prozesses wegen Verhandlungsunfähigkeit. Der vorsitzende Richter Christoph Bauer veranlasste die Beischaffung der Krankenakte, die sich die psychiatrische Sachverständige Gabriele Wörgötter ansehen soll.

Seit seiner Inhaftierung leide er unter Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Herzrasen, erklärte der Angeklagte, wobei er vom Sessel rutschte, sich auf den Boden kauerte und den rechten Fuß massierte: „Draußen habe ich sie (die Kopfschmerzen, Anm.) wegbekommen, weil ich in den Wienerwald gegangen bin.“ Dort sei „die Luft besser“. Ihm gehe es darum, „dass ich aufs Land rauskomme.“ Die Verhandlung wurde nach diesen Ausführungen vorerst bis 10.45 Uhr unterbrochen.

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Der Angeklagte hatte ihm Vorjahr zufällig einen 50 Jahre alten Slowaken kennengelernt und dem Obdachlosen einen Schlafplatz angeboten. Dieser nahm dankend an und übernachtete in weiterer Folge regelmäßig in der fremden Wohnung. Dem 52-Jährigen wurde das mit der Zeit zu viel - vor allem der massive Alkoholkonsum seines Mitbewohners soll ihn gestört haben. Er wurde den Mann allerdings nicht mehr los, obwohl er ihn mehrfach aufgefordert haben soll, endlich wieder auszuziehen. Schließlich soll er ihn im Schlaf getötet haben, wobei laut Anklage die Schnarchgeräusche des 50-Jährigen dafür mitausschlaggebend waren. Tatwerkzeug war laut Anklage eine Axt, die sich der Angeklagte zum Holzspalten gekauft hatte. Der Tote wurde erst am 12. Jänner entdeckt. Die Axt steckte noch im Kopf der bereits stark verwesten Leiche.


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