Wenn Paragrafen allein nicht reichen: Streitbeilegung mit Mediatoren

Wien (APA) - 12.200 Minderjährige waren 2013 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, im Jahr davor waren es sogar knapp 13.300. Scheidunge...

Wien (APA) - 12.200 Minderjährige waren 2013 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, im Jahr davor waren es sogar knapp 13.300. Scheidungen können sich wegen Streitereien um Kinder und Besitz vor dem Hintergrund verletzter Gefühle jahrelang hinziehen. Möglichkeiten des Konfliktmanagements abseits des gerichtlichen Verhandlungssaals waren am Donnerstag Thema einer Pressekonferenz in Wien.

Scheidung als Verlust eines Lebenstraums, manchmal eine Kampfsituation, wenn es um das archaische Bedürfnis geht, die Kinder vor dem anderen Elternteil zu schützen: Martina Leibovici-Mühlberger, Psychologin und Medizinern, wies auf das Problem der Gerichte hin, von denen verlangt wird, nicht nur Paragrafen, sondern auch Emotionen zu managen. „Die Richter tun mir manchmal leid“, sagte die Expertin aus ihrer Erfahrung als Mediatorin. Einen wesentlichen Ansatz zur Beilegung eines Streits sei der Blickwinkel des Kindes. „Das Kind hat ein Recht auf die Ressource Eltern und braucht beide zum Auswachsen“, erklärte Leibovici-Mühlberger.

Dem Mediator kommt die Aufgabe zu, Streitparteien - nicht nur bei Scheidungen, sondern zum Beispiel auch bei Nachbarschaftskonflikten - auf der Beziehungsebene „abzuholen“, wie der Deutschlandsberger Richter Leopold Popp erläuterte. „Mediation erspart Nerven, Kosten und Ärger. Sie arbeitet mit ähnlichen Mitteln wie die gewaltfreie Kommunikation.“ Die Streitparteien legen vor dem Mediator ihre Sicht der Dinge dar, unter seiner Moderation soll eine für beide Teile tragbare Lösung erarbeitet werden, die als Basis für eine gerichtliche Entscheidung taugt.

Eine relativ neue Möglichkeit, rascher zu einem Abschluss des Verfahrens zu kommen, besteht in der sogenannten gerichtlichen Streitbeilegung, die vorerst nur im Sprengel des Oberlandesgerichts Wien und dort vor allem in der Bundeshauptstadt angeboten wird: Ein zweiter Richter versucht, mit den Streitparteien zu einer bedürfnisorientierten Lösung zum kommen. In Deutschland haben sich solche Einigungsverfahren bewährt, sagte die Mediatorin und pensionierte Richterin Susanna Kleindienst-Passweg. Der Vorteil: Die Streitparteien können offen reden, weil ihre Aussagen nicht als Basis für einen Beschluss oder ein Urteil herangezogen werden kann, und stimmen der Lösung zu, sodass nicht der- unangenehme - Eindruck entsteht, der Richter habe über sie entschieden.

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Aus den USA stammt eine weitere Möglichkeit der außergerichtlichen Streitbeilegung: Collaborative Law, kurz CL. Statt eines Mediators agiert ein Anwalt und, je nach Bedarf, ein Kinder- oder Finanzcoach. Fairness und Offenheit sei das Wesen eines solchen Verfahrens, sagte Anwältin Eva Wexberg. Ungeeignet ist es, wenn Geheimnisse vorhanden sind - ob es ein Sparbuch ist oder die Freundin - und wenn der Wunsch besteht, das Gerichtsverfahren zu verzögern.


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