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Attac: „KMU sind bei TTIP Verlierer“

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Nur 1 % der Klein- und Mittelbetriebe exportiert in die USA, sagt Attac. Mit dem Handelspakt TTIP könnten es mehr werden, meint die WK.

Wien, Innsbruck –Die Mehrheit der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) wird zu den Verlierern des Handelsabkommens zwischen den USA und der EU (TTIP) zählen, heißt es in einer Analyse des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac. Die Wirtschaftskammer (WK) und EU-Politiker bestreiten das und erklären, dass die Studie zu kurz greife.

Basis der TTIP-Analyse ist der Mittelstandsbericht 2014. Demnach gibt es in Österreich rund 313.000 KMU. Laut WK haben nur bis zu 1800 aller heimischen Unternehmen Wirtschaftsbeziehungen mit den USA, somit weniger als ein Prozent. Nur 5,6 Prozent der Exporte entfallen auf die USA. Auch in der EU liegt laut den Studienautoren der Anteil der KMU, die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA haben, unter einem Prozent. Der KMU-Sektor hätte im besten Fall nur Zuwächse von 0,0014 Prozent zu erwarten, erklärt Studienmitautor Simon Theurl.

„Die Studie unterschätzt leider völlig die massive Bedeutung der Exportwirtschaft für die österreichische Wertschöpfung“, hält Stefan Garbislander, Chefökonom in der WK Tirol, am Rande einer Diskussion zu TTIP an der Uni Innsbruck entgegen. So belaufe sich das Exportvolumen Tirols auf rund 11,2 Mrd. Euro, bei einer Gesamtwertschöpfung von rund 25 Mrd. Euro. Die Tiroler Wirtschaft erzielte im Vorjahr einen Handelsbilanzüberschuss von 400 Mio. Euro mit den USA.

KMU profitieren laut Garbislander häufig von der Vernetzung der Wirtschaft vom Außenhandel mit den USA. „Österreichs Wirtschaft liefert zum Beispiel viele Zuliefererprodukte an die deutsche Volkswirtschaft, welche wiederum in die USA und in den asiatischen Markt exportiert.“

Auch einen in der Studie befürchteten Preiswettbewerb, dem heimische KMU zum Opfer fallen könnten, sieht Garbislander nicht. „Österreichs KMU sind Nischen-Player und in diesen Fällen ist der absolute Preiswettbewerb nicht (allein) entscheidend.“ Österreichs Produkte würden sich vor allem wegen ihrer Qualität international durchsetzen. „Die heimischen Betriebe können mit ihren Produkten ruhig selbstbewusster sein“, sagt EU-Parlamentarier Othmar Karas (ÖVP) gegenüber der TT. Zudem glaubt Garbislander, dass durch das Wegfallen von teuren Zulassungsverfahren für Produkte durch TTIP zukünftig mehr Unternehmen in die USA exportieren könnten.

Die EU-Kommission erwartet, dass gerade Klein- und Mittelbetriebe von TTIP profitieren würden. Denn gerade sie würden beim Export häufig unter Barrieren bei Normen und teuren Regulierungen leiden. Wie berichtet, wirbt etwa der Absamer Arzneimittel-Hersteller Montavit in einer Broschüre für den Handelspakt mit den USA. Kommissionsschätzungen zufolge würde durch den Pakt das Wachstum in Europa in den kommenden zehn Jahren ab Start um ein halbes Prozent angeschoben werden. Das entspricht 120 Mrd. Euro pro Jahr – für alle kommenden Jahre. (ecke, wer)