Angst vor Unfällen mit Kühen bleibt

Nach den Kuhattacken letztes Jahr sind die Bauern nervös. Warnschilder sind ausverkauft, Versicherungen abgeschlossen.

© LK Tirol/ Schießling

Von Sabine Strobl

Innsbruck — Die Almsaison hat mit vielen Vorbereitungen begonnen. Nach den Kuhattacken letztes Jahr hat die Landwirtschaftskammer eine große Aufklärungskampagne gestartet. Sie zielt auf die zwei Hauptgefahren ab: Hunde und Muttertiere, die ihre Kälber verteidigen. Alpenverein, Seilbahner und Tourismusverbände helfen, die Infos über richtiges Verhalten unters Volk zu bringen. Derzeit herrscht auf die Warntafeln ein wahrer Ansturm. „Es sind nur noch wenige übrig“, erklärt Projektleiterin Barbara Schießling von der Landwirtschaftskammer Tirol. In Kitzbühel wurden zudem noch englische Tafeln aufgestellt.

Auch der Almtierfolder scheint wegzugehen wie warme Semmeln. Die Broschüre, deren Illustrationen jetzt in deutschen Medien abgedruckt wurden, ist vergriffen. 15.000 Stück hat die Kammer nachbestellt, 5000 davon auf Englisch, Französisch, Italienisch und Holländisch. Andere Bundesländer haben die Druckdateien angefordert. Wie Schießling erklärt, ist vor allem bei städtischen Gästen der Aufklärungsbedarf groß. Sie erzählt nicht ohne Verwunderung von einem Foto, auf dem ein Wanderer als Torero posiert und eine Kuh an den Hörnern packt.

180.000 Stück Weidevieh (Rinder, Pferde, Schafe etc.) werden jährlich auf die Tiroler Almen aufgetrieben. Gleichzeitig steigt der Sommertourismus kontinuierlich an. Fünf Millionen Gästeankünfte wurden laut Tirol Werbung vergangenes Jahr in Tirol registriert. Vier Fünftel der Touristen gehen wandern. Auch die Mitnahme von Hunden nimmt zu.

„Entscheidend ist, dass die Almen ein Wirtschaftsraum sind“, erklärt Bauernchef Josef Hechenberger. 52.000 Milchkühe kommen in Österreich auf die Alm. 32.000 davon weiden auf den 1200 Milchalmen Tirols. Viehwirtschaft und Freizeitaktivitäten müssen laut Hechenberger nebeneinander Platz haben. Trotzdem sei jeder Unfall ernst zu nehmen.

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Nach den Zwischenfällen rücken vor allem die angriffsbereiten Mutterkühe, die anders als früher mit ihren Kälbern auf der Weide sind, ins Blickfeld. Der Hintergrund: Der Jahrling ist ein beliebter Fleischlieferant geworden. Ein Boom in dieser Sparte der Rinderzucht sei aber im Gegensatz zu Kärnten hierzulande nicht festzumachen. Davon ist der Tiroler Almwirtschaftsobmann, Josef Lanzinger, überzeugt. Über seriöse Angaben zur Stückzahl der Mutterkühe auf den Almen verfügt er nicht.

Wohl aber über die neue Gruppenversicherung, die heuer eingeführt wurde. Die 1500 Mitglieder der Almwirtschaft Tirol sind mit einem kleinen Aufpreis auf den Jahresbeitrag (zusammen 26 Euro) haftpflichtversichert. 100 Nichtmitglieder haben die Versicherung ebenfalls abgeschlossen. „Es kommen ständig Interessenten hinzu“, so Lanzinger. Die Unfälle der letzten Jahre seien schwer zu überwinden. Am häufigsten kommt die Versicherung übrigens bei Autoschäden zum Zug.


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