Aliyev-Prozess - „Begleiteter Freigang“ für kasachische Zeugen

Wien/Astana (APA) - Im Prozess um die Ermordung der kasachischen Banker Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov hätte am Freitag eine Nurbank-...

Wien/Astana (APA) - Im Prozess um die Ermordung der kasachischen Banker Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov hätte am Freitag eine Nurbank-Managerin aussagen sollen. Die Zeugin ließ sich mit dem Hinweis auf eben überstandene und weitere bevorstehende Operationen entschuldigen, weshalb ihre bisherigen Angaben verlesen wurden. Spannend verspricht der Prozess in der Causa Aliyev in der kommenden Woche zu werden.

Am Montag und Mittwoch werden zwei in dieser Sache in Kasachstan als Mittäter zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilte Männer vor dem Wiener Schwurgericht aussagen. Ursprünglich war davon ausgegangen worden, dass die beiden, die sich in Kasachstan nach wie vor in Haft befinden, im Weg einer Videokonferenz mit Astana als Zeugen zur Verfügung stehen. Nun werden sie aber im Weg eines „begleiteten Freigangs“ anreisen und persönlich im Verfahren gegen den ehemaligen kasachischen Geheimdienstchef Alnur Mussayev und den früheren Sicherheitsberater von Rakhat Aliyev, Vadim Koshlyak, auftreten.

Wie der Vertreter der kasachischen Generalstaatsanwaltschaft in Wien, Richard Soyer, dazu am Freitag erläuterte, wird damit einem Wunsch der heimischen Justiz entsprochen. Oleg Bekbatyrov, ein ehemaliger Mitarbeiter Aliyevs, der als Hauptangeklagter in der gegenständlichen Causa Ende Februar tot in seiner Zelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt vorgefunden wurde, und Askan Bekmuratov werden demnach von unbewaffneten Aufsichtspersonen nach Wien begleitet. „Sie kommen nicht als Gefangene und werden in Österreich nicht in Haft angehalten“, erklärte Soyer der APA. Es handle sich dabei auch um eine „Vertrauensbekundung“ seitens der kasachischen Justiz und eine „länderübergreifende Form der justiziellen Zusammenarbeit“, sagte Soyer.

Zu allfälligen Sicherheitsmaßnahmen und dem Ort, wo sich die beiden Zeugen vor und nach ihrem Auftritt im Straflandesgericht aufhalten werden - Bekbatyrov wird am Montag erwartet, Bekmuratov am Mittwoch - wollte sich Soyer nicht konkret äußern.

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Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Wien war Bekbatyrov dabei, als am 31. Jänner 2007 die Nurbank-Manager Timraliyev und Khasenov von Aliyev in den Räumlichkeiten der Bank im Bürogebäude „Ken Dala“ zu verschwundenem Bankvermögen verhört und zur Unterfertigung eines Geständnisses genötigt wurden. Bekbatyrov soll dann Khasenov bewacht haben, ehe dieser und der zweite Banker auf die Residenz Aliyevs verschleppt wurden. Dort soll unter anderem Bekmuratov die Bewachung übernommen haben. Laut Anklage verabreichte Bekmuratov in den folgenden Tagen den Festgehaltenen im Auftrag von Aliyev drei Mal täglich das Beruhigungsmittel Persen, um sie zu sedieren und widerstandsunfähig zu machen. Bekmuratov soll schließlich mitangesehen haben, wie Timraliyev und Khasenov am 9. Februar 2007 von Aliyev, Mussayev und Koshlyak vom Gelände der Residenz gebracht wurden, um andernorts getötet zu werden. Noch vor der Abfahrt soll Aliyev Bekmuratov angewiesen haben, das Lager, in das die Banker gesperrt worden waren, zu reinigen und sämtliche Spuren - Essensreste, Injektionsnadeln und die Kleidung der Manager - zu verbrennen.


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