Slowenisches Gericht gab Haradinaj seinen Reisepass zurück

Ljubljana/Pristina (APA) - Zwei Tage nach seiner Festnahme in Slowenien hat der kosovarische Oppositionspolitiker Ramush Haradinaj am Freita...

Ljubljana/Pristina (APA) - Zwei Tage nach seiner Festnahme in Slowenien hat der kosovarische Oppositionspolitiker Ramush Haradinaj am Freitag seinen Reisepass wieder zurückerhalten. Dies teilte das slowenische Außenministerium, das zuvor beim zuständigen Bezirksgericht Kranj interveniert hatte, in einer Aussendung mit.

Das Außenministerium hatte dem Gericht eine Verbalnote der kosovarischen Botschaft übermittelt, in der freie Durchreise für den mit dem Diplomatenstatus ausgestatteten Ex-Premier gefordert wurde. Das Gericht habe die Aufforderung akzeptiert und Haradinaj den Reisepass zurückgegeben.

Haradinaj werde Slowenien noch am Freitag verlassen und nach Pristina zurückfliegen, sagte der kosovarische Botschafter in Ljubljana, Nexhmi Rexhepi, der slowenischen Nachrichtenagentur STA.

Die Festnahme Haradinajs am Flughafen Ljubljana am Mittwoch hatte eine diplomatische Krise zwischen den beiden traditionell eng befreundeten Staaten ausgelöst. In Pristina wurde nach Bekanntwerden der Festnahme zum Boykott slowenischer Produkte aufgerufen. Am Donnerstagnachmittag gab es auch Angriffe auf die Gebäude zweier slowenischer Unternehmen, des Mobilfunkbetreibers IPKO und der NLB Bank, in Pristina. Auf die Gebäude seien Fackeln geworden worden, berichteten kosovarische Medien.

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Haradinaj selbst bezeichnete das Vorgehen der slowenischen Justiz in einem Interview mit dem slowenischen Fernsehen als „Unsinn“ und mokierte sich darüber, dass man den Haftbefehl eines Staates, „der nicht mehr existiert“ (Serbien-Montenegro) befolge. Offenbar hege man in Slowenien nostalgische Gefühle für Jugoslawien.

Sloweniens Außenminister Karl Erjavec war bereits am Donnerstag um Schadensbegrenzung bemüht gewesen und hatte angekündigt, dass Haradinaj seinen Reisepass umgehend zurückerhalten werde. Zudem habe ihm Justizminister Goran Klemencic versichert, dass er eine Auslieferung Haradinajs an Serbien jedenfalls verhindern werde.

Haradinaj war aufgrund eines aus dem Jahr 2004 stammenden Haftbefehls Serbien-Montenegros festgenommen worden. Der Haftbefehl war jedoch von zahlreichen Staaten ignoriert worden, nachdem der Ex-Premier vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zwei Mal freigesprochen worden war. Medienberichten zufolge war Haradinaj über Berlin und Wien unbehelligt nach Ljubljana gereist.


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