Milch und Honig in Symbiose

Die Landwirtschaftskammer vertieft mit Aktion das gute Verhältnis zu den Imkern.

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Von Hubert Daum

Roppen –Auch wenn die Bestimmung im neuen ÖPUL (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft), dass fünf Prozent der zu bewirtschaftenden Flächen erst ab ersten Juli gemäht werden dürfen, ein erheblicher Mehraufwand für 8500 Tiroler Bauern ist: Für die Imker ist dies ein Segen. „Mit den so genannten Biodiversitätsflächen wollen wir nachhaltig eine bienenfreundliche Umwelt schaffen“, erklärt LK-Präsident Josef Hechenberger bei seinem Besuch bei Imkermeister Martin Ennemoser in Roppen, „die Symbiose der Landwirte mit den Imkern funktioniert in Tirol sehr gut.“ Dies sei nicht in allen Bundesländern der Fall. Die Landwirtschaft liefere die Futtergrundlage, die Bienen sorgen für die Bestäubung.

Für dieselbe Honigproduktion müssen diese allerdings noch fleißiger sein als bisher. Die Varroamilbe vernichtete nach Schätzungen Ennemosers zwischen 35 und 50 Prozent der Bienenvölker. Trotzdem sei die Situation in Tirol „recht gut“. Ennemoser, der im Oberland als „Imkerpapst“ gilt: „In unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft mit vielen Streuobstwiesen haben die fleißigen Honigproduzenten sicher mehr Möglichkeiten. Zusehends wächst das Verständnis zwischen uns und den Bauern. Die gestaffelten Mähzeitpunkte zum Beispiel sind sehr hilfreich.“ Die blühende Landschaft von Anfang Mai bis Ende Juni sei für die Aufbauphase der Bienenvölker enorm wichtig.

Dass in der professionellen Landwirtschaft mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet werden muss, bestätigt auch Reinhard Egger, Ackerbauexperte der Kammer: „Die Bienentoxizität in allen chemischen Mitteln ist kontrolliert. Wenn sich Obstbauern mit Imkern zum Beispiel beim Zeitpunkt der Ausbringung absprechen, wäre das optimal.“ Eine wesentlich größere Gefahr sieht Martin Ennemoser im Bienenbeutenkäfer, der als noch zerstörerischer gilt als die Varroamilbe: „Der aus den USA eingeschleppte Parasit hat sich in Italien verbreitet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass er sich beispielsweise durch Zukauf von Bienenvölkern auch bei uns einnistet.“

Jene Bienen jedenfalls, die zurzeit Hochbetrieb haben, möchte die Landwirtschaftskammer zusätzlich mit der Aktion „Bienenweide“ unterstützen: 5000 Säckchen mit Blumensamen – übrigens von der Lebenshilfe Ötztal-Bahnhof abgepackt – sollten über die Gärtnereien an private Gartenbesitzer zur Aussaat gratis verteilt werden.


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