IS startete neue Offensive in Syrien: Massaker an Kurden nahe Kobane

Erst im Jänner hatten die Kurden die Grenzstadt Kobane nach monatelangen Kämpfen aus der Gewalt der IS-Terrormiliz befreit. Diese greift jetzt erneut an. Nahe Kobane sollen mindestens 20 Kurden, darunter Frauen und Kinder, hingerichtet worden sein.

Bild vom Jänner 2015: Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG feiern den Sieg über den Islamischen Staat in Kobane.
© Reuters

Kobane - In Syrien geht die Extremistengruppe „Islamischer Staat“ (IS) nach einigen Niederlagen in die Offensive. Im Norden des Landes griff die sunnitische Miliz am Donnerstag zeitgleich das von Kurden gehaltene Kobane und Armee-Stellungen in der weiter östlich liegenden Stadt Hasakah an. Nahe Kobane richteten IS-Kämpfer mehrere Kurden hin. Im Süden attackierten Rebellen die Armee in der Provinz Daraa.

Die IS-Milizen setzten bei ihrem Angriff auf Kobane nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zwei Autobomben ein. Eine explodierte nahe des Grenzübergangs zur Türkei, die andere in der Innenstadt. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) habe sich Gefechte mit IS-Kämpfern in der Stadt geliefert. Dabei seien mindestens zwölf Menschen ums Leben und 70 weitere Personen wurden verletzt, wie das lokale Krankenhaus mitteilte. Ein YPG-Vertreter erklärte, die Stadt werde von drei Seiten aus angegriffen.

In Dörfern südlich der umkämpften Stadt Kobane wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens 20 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, durch IS-Kämpfer hingerichtet. Die Jihadisten hätten auch Bewohner des Ortes Barekh Butan erschossen, die sich im Kampf gegen den IS bewaffnet hätten, hieß es weiter.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich nach eigenen Angaben in Syrien auf ein Netzwerk von Informanten, ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

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Kamen die IS-Kämpfer von türkischer Seite?

Das syrische Fernsehen berichtete ohne Angabe von Quellen, die IS-Kämpfer seien von türkischem Gebiet aus nach Kobane vorgedrungen. Die Türkei wies dies zurück und erklärte, der Angriff sei vom syrischen Ort Jarablus westlich von Kobane aus gestartet worden. In der Vergangenheit haben IS-Gegner der Türkei wiederholt vorgeworfen, die IS-Miliz zu unterstützen.

Kobane hat im syrischen Bürgerkrieg eine besondere Bedeutung, denn nachdem die Eroberung der Stadt vergangenen Jänner gescheitert war, bröckelte der Nimbus der Unbesiegbarkeit des IS. Kurden-Milizen hatten zuletzt mit Hilfe von Luftangriffen der USA und deren Verbündeter eine Reihe militärischer Erfolge errungen. Dadurch sind sie bis auf 50 Kilometer an Raqqa herangerückt, der inoffiziellen Hauptstadt des vom IS ausgerufenen Kalifats.

Rebellenangriff im Süden des Landes

Erfolge verzeichnete die IS-Miliz nach Angaben der Beobachtungsgruppe auch bei der Offensive auf Hasakah. Die Armee habe Stellungen in der Umgebung der Stadt aufgegeben und wolle sich ins Zentrum zurückziehen. Das syrische Fernsehen berichtete, die IS-Milizionäre vertrieben Bewohner aus ihren Häusern, Menschen würden hingerichtet oder festgenommen. In Militärkreisen hieß es dagegen, die Armee habe den Angriff abgewehrt. Hasakah ist einer der letzten Stützpunkte des Präsidenten Bashar al-Assad im Norden.

Der Druck auf Assad wächst auch im Süden des Landes, wo ein Rebellenbündnis - zu dem der IS nicht zählt - seine Soldaten aus den Grenzgebieten zu Jordanien und Israel vertreiben will. In der Umgebung mehrerer ländlicher Orte in der Provinz Daraa seien bei Gefechten Dutzende Angreifer getötet worden, hieß es in syrischen Militärkreisen. Die Oppositionsgruppe berichtete zudem, Rebellen seien in der Nacht auch gegen Stellungen des Militärs in der Provinzhauptstadt Daraa vorgegangen. (APA/Reuters/dpa/AFP)


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