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Archiv der Leidenschaften: Kunsthalle Wien zeigt Künstler als Sammler

Wien (APA) - Normalerweise sind es ihre Werke, die von Privatpersonen und Institutionen gesammelt und ausgestellt werden. Für die Kunsthalle...

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Wien (APA) - Normalerweise sind es ihre Werke, die von Privatpersonen und Institutionen gesammelt und ausgestellt werden. Für die Kunsthalle Wien haben 20 Künstler nun aber ihre eigenen Archive geöffnet und zeigen einen teils sehr persönlichen Einblick in private Sammlerleidenschaften. Die Ausstellung „Individual Stories“ gelingt dabei zwar mitunter kleinteilig, aber in ihrer spielerischen Art sehr lustvoll.

Bereits Picasso und Rembrandt seien als Sammler in Erscheinung getreten. Letzteren hätte seine Faszination für Insekten beinahe in den Ruin geführt, wie Kunsthallen-Direktor Nicolaus Schafhausen bei der Presseführung am Donnerstag erzählte. „Was wir hier bieten, ist ein sehr persönlicher Blick“, lüfte man mit den wie Inseln angeordneten Objektgruppen doch quasi einen Vorhang zum Inneren der Künstler. „Und es ist nicht nur ein kuratorischer Blick auf die schier unerschöpfliche, mögliche Auswahl.“

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Ihm zur Seite standen nämlich Luca Lo Pinto und Anne-Claire Schmitz (Leiterin von La Loge in Brüssel). „Solche Ausstellungen haben viel mit persönlicher Erfahrung und Beziehung mit den Künstlern zu tun“, unterstrich Schafhausen. Auf dieses für beide Seiten wohl als Experiment zu titulierende Abenteuer haben sich u.a. Saadane Afif, Herbert Brandl oder Hans-Peter Feldmann eingelassen.

Und so begegnet man nun einer Auswahl von Hubert Scheibls wissenschaftlicher Modelle aus der Botanik, nicht weniger als 548 an einer Wand hängenden MiniDiscs von Michael Riedel oder einer Sammlung von Blättern, die Michaela Maria Langenstein zusammengetragen hat. Mitunter verschwimmen die Grenzen zwischen bloßem Objekt und Kunstwerk, wie Lo Pinto erläuterte. „Hier wird das Sammeln auch als Akt der Wissensproduktion begriffen. Und dann steht beides nebeneinander: Sammeln als Mittel, die Imagination der Künstler durch die Hintertür zu betreten, oder es selbst als künstlerischen Akt zu begreifen.“

Offensichtlich wird dies etwa bei G. T. Pellizzi: Er hat in drei Stellagen jeweils in blau, rot und gelb gehaltenes Porzellan positioniert, das durch Farbgebung und Struktur der Präsentation in eine Zwischenwelt tritt. Davor steht eine Vitrine mit unzähligen Plastik- und Keramikobjekten, großteils beschädigt, aber ebenfalls farblich scheinbar codiert und geordnet. Gleich daneben finden sich Schallplatten und Bücher aus dem Besitz von Jacques Andre: Vinyl von Neu!, Aphex Twin oder Justin Timberlake sind hier in Dutzendfacher Ausführung aufgereiht, was gar an Großhandel denken lässt.

„In der Kunstwelt ist man umgeben von der Figur des Sammlers, aber meist im Kontext einer Marktökonomie“, betonte Schmitz. „Aber was passiert, wenn der Künstler als solcher auftritt? Er investiert in Ideen anstelle eines materiellen Wertes.“ Zur Ausstellung, die heute Abend eröffnet wird und bis 11. Oktober zu sehen ist, wird ein Katalog von Marie Angeletti erscheinen. Dabei soll besonders der zeitliche Aspekt der Schau, aber auch der Kontext der Kunsthalle im Gefüge des Museumsquartiers verdeutlicht werden.

(S E R V I C E - „Individual Stories. Sammeln als Porträt und Methodologie“ von 26. Juni bis 11. Oktober in der Kunsthalle Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien, tägl. von 10 bis 19 Uhr, Do 10 bis 21 Uhr, www.kunsthallewien.at)

(B I L D A V I S O - Pressebilder stehen unter www.kunsthallewien.at/presse/individual-stories zum Download bereit.)


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