Kassier von oö. Pfarre vom Vorwurf der Veruntreuung freigesprochen

Ried (APA) - Der Kassier einer Pfarre im Bezirk Braunau soll Spenden und Gelder vom Konto in die eigene Tasche gesteckt haben. Wegen Veruntr...

Ried (APA) - Der Kassier einer Pfarre im Bezirk Braunau soll Spenden und Gelder vom Konto in die eigene Tasche gesteckt haben. Wegen Veruntreuung von 28.800 Euro und Urkundenfälschung hatte er sich am Donnerstag im Landesgericht Ried zu verantworten. Er wurde jedoch nur wegen Urkundenfälschung zu sechs Wochen bedingt verurteilt. Die Aussagen des Pfarrers waren für Richterin Melanie Hiebl „unglaubwürdig“.

Die Angaben der Schwiegermutter, Mesnerin der Pfarre, sowie die Ehefrau haben den 49-jährigen Mann entlastet. Die Frauen bestätigten der Richterin ihren Eindruck von einem „sehr unglaubwürdigen“ Pfarrer. In seiner Aussage hatte der Angeklagte schon zu Prozessautakt den Pater belastet, indem er behauptete, der Geistliche habe die Gelder unterschlagen. Wie sich im weiteren Verhandlungsverlauf herausstellte, soll der Kassier deshalb auch schon einmal Anzeige erstattet haben, die jedoch im Sand verlaufen sein dürfte.

Im Jahr 2012 hatte die Gemeinde den Pater aus Polen als neuen Pfarrer erhalten. In dessen Auftrag habe der Angeklagte immer wieder Geld vom Pfarrkonto abgehoben. Die jeweiligen Beträge will er auch jedes Mal ordnungsgemäß an den Geistlichen übergeben haben. Eine dafür notwendige schriftliche Übernahmebestätigung erhielt er laut eigenen Aussagen jedoch nie. Er habe dem Pfarrer „blind vertraut“, meinte der Angeklagte zur Richterin.

Zwei Jahre sei dies so dahin gegangen, bis 2014 Mitglieder des Finanzausschusses des Pfarrgemeinderates auf ihn zukamen, nachdem Fehlbeträge in der Buchhaltung aufgefallen waren. Sie forderten ihn auf, die „offenen Rechnungen“ zu begleichen. Daraufhin sei er zum Pfarrer gegangen und habe jene Bestätigungen eingefordert. Doch dieser habe sich geweigert, belastete der Beschuldigte den Geistlichen. Vielmehr soll er ihm geraten haben, die Fehlbeträge mit Spendengeldern zu begleichen. In diesem Zusammenhang habe er die Urkundenfälschung begangen, gestand der Kassier. Was mit den fehlenden 28.800 Euro geschehen ist, darüber konnte er keine Angaben machen.

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Laut Zeugenaussagen dürften zumindest Teilbeträge nach Polen gegangen sein. Der Pfarrer selber, der nur sehr gebrochen Deutsch spricht und deshalb einen Dolmetsch im Gerichtssaal hatte, konnte auch nichts zur Klärung beitragen. Aufgrund der „unglaublichen Zweifel“ an seiner Zeugenaussage verurteilte die Richterin den Angeklagten, der „einen ordentlichen Lebenswandel“ habe, dann auch nicht wegen Veruntreuung. Wegen der von ihm eingestandenen Urkundenfälschung erhielt er jedoch sechs Wochen bedingt. Freispruch und Urteil sind nicht rechtskräftig.


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