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Mers versetzt Südkoreas Wachstumsaussichten einen Dämpfer

Seoul (APA/dpa) - Es dauerte fast ein Jahr, bis sich die Südkoreaner von der Schockwirkung durch das schwere Fährunglück vom April 2014 erho...

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Seoul (APA/dpa) - Es dauerte fast ein Jahr, bis sich die Südkoreaner von der Schockwirkung durch das schwere Fährunglück vom April 2014 erholten und wieder Geld ausgaben. Die Bilder vom Untergang der „Sewol“, der mehr als 300 Menschenleben kostete, hingen in den Köpfen noch lange fest. Die Verbraucherstimmung fiel danach auf einen Tiefpunkt.

Doch fast genau zu der Zeit, als sich der Konsum in diesem Frühjahr wieder zu erholen begann, traf das Land der Ausbruch der noch relativ unbekannten Atemwegs-Seuchenerkrankung Mers.

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Die rasche Verbreitung des tödlichen Coronavirus (Mers-CoV) seit Mai verunsicherte die Menschen zutiefst. Die Nachrichten von fast täglich neuen Toten und Patienten drückte auf die Stimmung. „Der Mers-Effekt bewirkte, dass der Verbrauch zurückging“, sagt Shin Min Young vom LG Wirtschafts-Forschungsinstitut in Seoul. Das Wachstum droht sich abzuschwächen. Bis zum Donnerstag starben 29 Menschen an dem Virus, das dem Sars-Erreger ähnelt. Die Zahl der erfassten Todes- und Krankheitsfälle stieg auf 180.

Um die konjunkturellen Schwankungen aufzufangen, will die Regierung ein Konjunkturpaket von umgerechnet mehr als 12 Mrd. Euro schnüren. Wieviel es am Ende genau sein werden, ist noch unklar. Aber selbst wenn der Mers-Ausbruch schon bald unter Kontrolle gebracht werde, könnten die Nachwirkungen noch lange andauern, warnte Finanzminister Choi Kyung Hwan.

Es sind jedoch nicht allein die Folgen von Mers, die der Regierung Sorge bereitet. „Der Trend der wirtschaftlichen Erholung war angesichts der schleppenden Exporte und anderer Probleme nicht stark genug“, sagte Choi der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge bei einem Treffen mit der Regierungspartei. Das Finanzministerium kappte die diesjährige Wachstumsprognose für Asiens viertgrößte Volkswirtschaft deutlich auf nurmehr 3,1 Prozent.

Zu den Problemen zählen auch die Abwertung des japanischen Yen und die Aufwertung der südkoreanischen Währung. Diese Entwicklung geht vor allem auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit wichtiger südkoreanischer Exportgüter wie etwa Autos und Elektronikprodukte, die mit japanischen Produkten auf dem Weltmarkt konkurrieren. Denn die Stärke der heimischen Währung verteuert die Produkte Südkoreas im Ausland.

Der Mers-Ausbruch trifft indes in erster Linie die Tourismusbranche, die Hotel und Gastronomie, den Einzelhandel und den Unterhaltungssektor. Viele Südkoreaner bleiben zu Hause und vermeiden Großveranstaltungen. Vereinzelt wurden Pop-Konzerte und selbst ganze Messen abgesagt. In den ersten drei Wochen nach dem Ausbruch brach der Ticketverkauf an den Kinokassen um 25 Prozent ein. Besonders „kleinen Läden, inklusive Einzelhändler und Restaurants“ gehe es schlechter, sagt Experte Shin.

Die Verbreitung des Virus hat zudem zahlreiche Menschen aus den Nachbarländern, vor allem aus China, von Reisen nach Südkorea abgehalten. Bis Mitte Juni wurden nach Angaben des Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus über 110.000 Stornierungen gemeldet. Wenn sich diese Entwicklung über den ganzen Sommer hinziehe, sei mit Einnahmeverlusten von mehr als 900 Mio. Dollar (802,6 Mio. Euro) zu rechnen, sagte Kim Chul Min vom Ministerium. „Sie können sich denken, dass der Mers-Ausbruch dem Hotelsektor großen Schaden zufügt“, heißt es aus Branchenkreisen. Doch konkrete Zahlen etwa zur Belegungsrate wollte der koreanische Hotelverband nicht nennen - aus Furcht, dass es der Branche schaden könnte.

Nach Angaben der südkoreanischen Zentralbank gibt es angesichts der abnehmenden Zahl an neuen Mers-Fällen in den vergangenen Tagen aber auch wieder positive Zeichen. Zuletzt verlangsamte sich das Tempo des Konsumrückgangs. Auch die Zahl der Menschen, die sich nur noch mit Atemmasken auf die Straße wagen, geht sichtbar zurück.


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