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Lateinamerika-Priester: Papstreise ein „Gehen in die Peripherie“

Wien/Vatikanstadt (APA/KAP) - Die Anfang Juli bevorstehende Reise des Papstes nach Ecuador, Bolivien und Paraguay ist ein „Gehen in die Peri...

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Wien/Vatikanstadt (APA/KAP) - Die Anfang Juli bevorstehende Reise des Papstes nach Ecuador, Bolivien und Paraguay ist ein „Gehen in die Peripherie“. Dies erklärt der Priester der lateinamerikanischen Gemeinde in Wien, Norverto Antonio Rosario Ovalles, im „Kathpress“-Interview. Anders als der Besuch beim Weltjugendtag in Rio vor zwei Jahren sei diese Visite „ganz Lateinamerika und seinen Bewohnern“ gewidmet.

Der Papst steuere mit den zwei Andenstaaten und dem Savannenstaat Paraguay vom 5. bis 12. Juli Länder an, die für tief verwurzelten Katholizismus bekannt seien, so der aus der Dominikanischen Republik stammende Rosario. Typisch für den Glauben der Menschen vor Ort sei eine ausgesprochen marianische Ausrichtung. „Jede Nation verehrt die heilige Maria auf ihre eigene Weise - die Paraguayer die Jungfrau von Caacupe, die Ecuadorianer die Jungfrau von Quinche und die Bolivianer die Jungfrau von Copacabana. Speziell in Ecuador und Paraguay ist zudem die Verehrung des Jesuskindes weit verbreitet.“ Die Menschen seien in ihrer Gottesbeziehung „einfach gestrickt“ und orientierten sich eher an konkreten Dingen und Gesten statt an hochkomplexen theologischen Fragen, so die Analyse des Priesters.

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Gleichzeitig sei der Glaube im Vergleich zum europäischen Kontext lebendiger und ausdrucksstärker, was auch in den Liedern, Prozessionen oder auch an den liturgischen Gebetshaltungen sichtbar werde. „Das Vaterunser beten viele mit offenen Händen, und beim Friedensgruß wird mitunter die gesamte Kirche mit einer kräftigen Umarmung gegrüßt, was für Europäer befremdlich wirken kann“, so Rosario. Denselben Hintergrund bringe jedoch auch Papst Franziskus mit, der nicht umsonst oft als „Papst der Gesten“ bezeichnet werde.

Stärker als früher setze die katholische Kirche in Südamerika heute darauf, die Gläubigen im Glauben zu bilden und zugleich Wertschätzung für die eigenen kulturellen Ursprünge und die indigenen Kulturen zu fördern, erklärte der in Wien und Linz wirkende Priester. Besonderen Impuls dafür habe die Bischofsversammlung von Aparecida 2007 gegeben, bei der der heutige Papst - damals als Erzbischof von Buenos Aires - das Redaktionskomitee für das Schlussdokument leitete. „Zentral war hier die Forderung einer neuen Mission, einer Seelsorge die nicht in den Kirchen auf die Menschen wartet, sondern zu ihnen auf die Straßen geht“, so Rosario. Um die Armen im Blick zu haben und mit ihnen unterwegs zu sein, etwa durch die Gründung kleiner christlicher Gemeinschaften, habe die Befreiungstheologie große Verdienste geleistet.

Rosales ist seit sechs Jahren Seelsorger in einer der drei spanischsprachigen katholischen Gemeinden Wiens - sie trägt den Namen „Nuestra Senora de Guadalupe“ - im fünften Bezirk, zudem betreut er eine weitere, vor kurzem entstandene lateinamerikanische Gemeinde in Linz. Von einem „lebendigen Glauben“ seien die Gottesdienste, die sonntäglich von etwa 100 Gläubigen in Wien und monatlich von 80 in Linz besucht werden - bei den vielen landestypischen Kirchenfesten im Jahr verdreifacht sich diese Zahl mitunter - auch hierzulande geprägt.

Abseits von den Sonntagsmessen, Sakramentenvorbereitungen mit Katechisten und Jugendgruppen übernimmt die Gemeinde jedoch auch wichtige soziale Funktionen. Rosario: „Der Gottesdienst und das Pfarrcafe danach sind für viele Migranten ein Erholen von ihrem oft schwierigen Alltag, das Erleben von Gemeinschaft, eine Oase des Friedens.“ Ein Buffet oder Kulturfestival zugunsten von Bekannten in humanitären Notlagen ist längst zum guten Brauch geworden, und immer warten auf die von den Gemeindemitgliedern gebrachten Speisen Menschen, die tatsächlich Hunger leiden. Krankenbesuche, Frauen- und Jugendgruppen komplettieren das Angebot.


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