Nächtliche Rettungsaktion für zwei Kletterer im Zillergrund

Zwei Kletterer stürzten Freitagnacht am Grundschartner bei Brandberg ab. Bergrettung und Alpinpolizei konnten den beiden wegen Steinschlags nicht helfen. Erst bei Tagesanbruch war eine Hubschrauberbergung möglich.

Die Bergretter stiegen noch in der Nacht zum Gipfel auf, konnten aber die Verletzten nicht bergen.
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Brandberg – Mit Verletzungen unbestimmten Grades endete ein Kletterausflug für einen in Tirol wohnhaften Niederländer im Zillergrund am Freitag. Der Mann hatte mit einem 38-jährigen Begleiter aus den Niederlanden laut Bergretter Michael Knauer mit der Tour viel spät – gegen 18.30 Uhr laut Polizei – begonnen. „Sie waren relativ spät dran und erreichten erst gegen 21.30 Uhr den Gipfel. Dann wollten sie absteigen und seilten sich in die falsche Richtung ab“, berichtet Knauer im Gespräch mit TT Online.

Der 34-jährige Kletterer stürzte gegen 23.25 Uhr auf einer Seehöhe von 2950 Metern b, sein 38 Jahre alter Begleiter wollte ihm zu Hilfe eilen und stürzte ebenfalls. „Das Glück war, dass die Rinnen mit sehr viel Schnee gefüllt sind“, erklärt Knauer, dass der Sturz so gedämpft wurde. Die beiden Kletterer, die „sehr gut ausgerüstet waren“, setzten einen Notruf ab. „In dem Bereich seilt sich aber kein Mensch ab. Sie haben uns die falsche Talseite angesagt. Wir stiegen auf und fanden die Spuren im Schnee“, beschreibt der Bergretter den Einsatz, der aber gegen 4 Uhr Früh dennoch unterbrochen werden musste: „Es sind einige Steine nachgerutscht, deshalb mussten wir es dann lassen und warten bis es hell wird.“

Bei Tagesanbruch konnte der Notarzthubschrauber die verletzten Kletterer bergen und ins Krankenhaus nach Hall fliegen. Auch die 15 Mann der Bergrettung und der Alpinpolizist wurden vom Christophorus bzw. dem Polizeihubschrauber zurück ins Tal geflogen. Der 38-jährige Niederländer blieb unverletzt, sein Begleiter musste mit Abschürfungen und Prellungen laut Polizeibericht stationär aufgenommen werden.

Mehrere Meter unter dem Gipfel blieben die Verletzten auf einem Schneefeld liegen.
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„Besser früher Hilfe rufen“

Nach Angaben von Knauer gab es für die Kletterer nur wenig Spielraum auf ihrer Tour, umdrehen zu einem früheren Zeitpunkt wäre kaum möglich gewesen, wie er auf Nachfrage erklärt: „Die Grundschartner Kante ist eine sehr schwierige Klettertour, da ist es nicht ganz so leicht einfach umzudrehen. Ab einem gewissen Punkt gibt es nur noch die Flucht nach vorne.“ Dennoch hätten die Männer besser am Gipfel verweilen sollen und sofort Hilfe rufen. „Wenn ich gar nicht weiß, wo ich hin soll, wäre das besser“, erklärt Knauer. (saku)


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