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Schlagabtausch um Gedenktafel

Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel will Gedenktafel an Widerstandskämpfer und Ausstellung von Bildern über KZ-Gräuel ermöglichen. FPÖ-Gemeinderat Frisch wirft Grünen Wahlkampf vor.

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Von Wolfgang Otter

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Kufstein –Die Wogen um die abgelehnten Anträge von Gemeinderat Andreas Falschlunger im Kulturausschuss haben sich noch nicht gelegt. Wie berichtet, hat der grüne Gemeinderat drei Vorschläge eingebracht. Erstens: eine Tafel mit den Namen von sieben Widerstandskämpfern im Festungsneuhof anzubringen. Zweitens: die aufgetauchten Skizzen des Künstlers Harald Pickert, die dieser über die begangenen Gräuel in Konzentrationslagern zeichnete. Drittens: einen Bericht über das Ausstellungskonzept im ehemaligen Luftschutzstollen im Festungsberg von der Top City zu verlangen. Ergebnis: Alle drei wurden abgelehnt. Zwei mit dem Verweis auf die Zuständigkeit der Top City, der dritte, da sich der Kulturausschuss außerstande sah, eine Ausstellung zu organisieren.

Kulturreferent Walter Thale­r (Gemeinsame Kufsteiner Liste/FPÖ), der aber an der Abstimmung nicht teilgenommen hat, meinte zudem, dass Falschlunger erst erläutern müsste, welcher Kufstein-Bezug der auf der Tafel genannten Personen vorliege, „warum sollten wir für jemanden aus Innsbruck oder dem Brixental eine Tafel aufstellen, da gebe es ja dann viel mehr“, meinte Thaler in einer Stellungnahme zur TT.

Laut der Historikerin Gisela Hormayr haben aber alle Genannten einen Kufstein-Bezug. Sie hatte gemeinsam mit Dietmar Wieser (Heimatkundeverein) Falschlunger die Informationen zur Verfügung gestellt. In einer E-Mail stellt sie klar: „Es handelt sich bei allen um Menschen, die in Kufstein zur Schule gegangen sind (Walter Caldonazzi und Ernst Ortner – für welche die Studentenvereinigung Cimbria ja eine kleine Gedenktafel im Festungshof aufgestellt hat) oder die in Kufstein gelebt haben und hier im Widerstand tätig waren (Georg Gruber, Franz Wurzenrainer, Adele Stürzl, Anton Obholzer, Thomas Salvenmoser).“ Hormayr fügt noch an: „Ich denke, es würde der Stadt Kufstein gut anstehen, 70 Jahre nach Kriegsende dieses Zeichen zu setzen – dass das von der Zustimmung der ‚Top City‘ abhängig gemacht werden soll, ist schwer zu glauben.“

Ganz anders sieht die Causa FPÖ-Gemeinderat Anton Frisch: „Offenbar mangels anderer Themen und der bevorstehenden Gemeinderatswahl soll, wenn es nach den Grünen geht, die Stadt auch medial wieder ins Zeitalter vor rund 70 Jahren zurückgeführt werden, statt die Augen für aktuelle Ereignisse offenzuhalten.“ Laut Frisch beschäftigen sich die Grünen aber „lieber mit ihrem untauglichen Antrag zur Ausstellung von Gedenktafeln von Widerstandskämpfern einer längst vergangenen Ära“ und „sind dann auch noch beleidigt, wenn ihnen ein Antrag zum Aufhängen von einigen Bildern aus dem KZ im Rathaus verwehrt wird. Die Frage der Rolle der Stadt Kufstein im 2. Weltkrieg scheint den Grünen, mangels anderer Sorgen und Lösungsvorschläge, eine besondere zu sein, sie ist es zweifelsohne vor allem für Zeitgeschichtler. Dass die Grünen aber pauschal allen Kulturausschussmitgliedern verschiedener Fraktionen, die nicht so spuren, wie er (Falschlunger, Anm.) will, pauschal unterstellen, auf der falschen Seite zu stehen, ist schon mehr Unverschämtheit denn politische Kritik.“

Auch die Top City meldete sich bezüglich des Konzeptes für den Festungsstollen zu Wort: „Es gibt zu den Stollen eine eindeutige Vorgabe des Bundesdenkmalamtes, wie das Ganze musealisiert werden soll. Dies haben wir entsprechend erläutert, u. a. auch bei der Bilanzpräsentation der Top City im Gemeinderat. Die professionelle Aufarbeitung des Themas ist derzeit in Arbeit.“

Letztlich wird BM Martin Krumschnabel (Parteifreie) als Troubleshooter fungieren müssen. Er meinte gegenüber der TT, dass sich ein Platz für die Tafel finden müsse, auch die Pickert-Ausstellung soll möglich gemacht werden. Am Montag berät der Stadtrat über dieses Thema.


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