Entgeltliche Einschaltung

Standesbeamter beging im Stress Amtsmissbrauch

Seit 2007 hatte der einstige Zammer Standesbeamte aus Überforderung Geschäftsfälle nicht korrekt in die Amtskassa eingetragen. Gestern urteilte das Gericht.

  • Artikel

Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Zams –In den Gemeindestuben muss teils enormer Druck auf den Mitarbeitern lasten. Wurde doch erst Mitte Juni ein Oberländer wegen Amtsmissbrauchs verurteilt, da er aus Überlastung in 461 Fällen Gemeindegebühren auf das Jahr 2099 gestundet oder storniert hatte.

Entgeltliche Einschaltung

Gestern am Landesgericht ging es für den einstigen Zammer Standesbeamten ebenfalls um Amtsmissbrauch. Ebenso machte der 54-Jährige, der letzten März nach Abmahnungen nach 30-jähriger Tätigkeit entlassen worden war, totale Überforderung geltend – die TT berichtete.

So attestierte bereits im Jahr 2009 dem Gemeindebeamten ein medizinisches Gutachten ein schweres Burn-out und Depressionen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Mann laut Staatsanwalt Clemens Gattringer bereits seit zwei Jahren durch mehrmalige Vergabe identer Verzeichnisnummern, Eintragungen geringerer Gebühren oder Löschen von Geschäftsfällen Gebühren für die Ausstellung von Urkunden nicht ordnungsgemäß in die Amtskassa abgeführt – und zwar in 141 Fällen. Für Gemeindeanwalt Rainer Kappacher lupenreiner Amtsmissbrauch: „Sogar Geburtsurkunden wurden gelöscht. Die haben uns die Bürger dann wieder nachbringen müssen!“

50 x € 100,- Heizkostenzuschuss zu gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

Richterin Verena Offer wertete zwar die psychische Belastung bei einem Strafrahmen bis zu fünf Jahren Haft mildernd, sah in den gestrigen Abendstunden jedoch ebenso klar (nicht rechtskräftigen) Amtsmissbrauch. Acht Monate Haft, aufgeteilt auf vier Monate bedingt und 960 Euro Geldstrafe, ergingen: „Das ganze Kassenbuch wurde durch Sie verfälscht. Damit haben Sie das Kontrollrecht der Gemeinde konterkariert!“

Der Verurteilte betonte gegenüber der TT, dass er sich aber letztlich keinen einzigen Cent in die eigene Tasche gesteckt hatte.


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung