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Keine Lösung für obdachlose Flüchtlinge

Immer noch müssen Asylwerber in Traiskirchen unter freiem Himmel schlafen. In Postbussen mussten sie gestern das Unwetter abwarten.

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Auch gestern, Mittwoch, hatten zahlreiche Asylwerber in Traiskirchen kein Dach über dem Kopf.
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Von Cornelia Ritzer

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Traiskirchen, Wien –Mittwochvormittag ist das Café mit den Tischen in der beschaulichen Fußgängerzone trotz drückender Hitze gut besucht. Die Gäste sprechen über den geplanten Urlaub, die Erledigungen, die noch anstehen, und das angekündigte Unwetter, das noch nicht in Traiskirchen angekommen ist. Kein Thema sind die Asylwerber im wenige hundert Meter entfernten Erstaufnahmezentrum. Das Asyllager Traiskirchen, das immer genannt wird, wenn es um Österreichs Fehler und Versäumnisse in der Asylpolitik geht.

Auf der anderen Seite der Gleise der Lokalbahn, die Reisende in 50 Minuten in die Wiener Innenstadt bringt, liegt die Betreuungsstelle für Flüchtlinge. Auch hier ist es beschaulich, die Vögel zwitschern, das Straßenbild ist aber völlig anders. Gruppen junger Burschen sitzen am Gehsteig vor dem Eingang, Männer und Frauen lehnen am Zaun, der die riesige Anlage umgibt. Durch den Zaun sieht man Dutzende Menschen auf Decken liegen oder sitzen, das wenige Hab und Gut in Plastiksackerln verpackt. Was man von draußen nicht sieht, sind die 15 Postbusse, die vom Innenministerium in die Stadt südlich von Wien bestellt wurden. Bei Regen sollen jene Flüchtlinge, die keinen Platz in den Häusern gefunden haben, Unterschlupf finden, berichtete der Standard. Geplant sei auch, die benachbarte Sicherheitsakademie sowie Garagen und Speisesäle aufzusperren. Lässt das Gewitter nach, müssen die Räume aber wieder verlassen werden. 900 Menschen sind im Lager Traiskirchen derzeit ohne festen Schlafplatz.

Die Überfüllung des Erstaufnahmezentrums hat aber nicht nur zur Folge, dass Frauen und Männer obdachlos sind, auch die Stimmung wird immer angespannter. So war der Flüchtlingsdienst der Diakonie kurz davor, seine Rechtsberater aus Traiskirchen abzuziehen. Die evangelische Hilfsorganisation hatte laut Salzburger Nachrichten Sicherheitsbedenken. Traiskirchen verwandle sich langsam, aber sicher in einen Druckkochtopf, sagte Christoph Riedl von der Diakonie den SN. Das Innenministerium reagierte: Seit Mittwochfrüh gibt es nun Zugangskontrollen, nur noch 20 Personen dürfen sich gleichzeitig im Raum der Rechtsberater aufhalten. Eine endgültige Lösung kann das aber – wie auch die Busse als Schutz vor Regenfällen – nicht sein.

Kein Wunder also, dass die Hilfsorganisationen den Druck auf die Politik verstärken. SOS Mitmensch fordert die sofortige Wiederaufnahme der Asylverhandlungen zwischen Bund und Ländern. „Wir brauchen einen Masterplan und ein Master-Budget“, sagte Rot-Kreuz-Generalsekretär Werner Kerschbaum. Gleichzeitig mahnt auch die ÖVP von der Kirche mehr Engagement in der Flüchtlingshilfe ein.


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