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Griechenland - Arbeit ohne Lohn: Krise trifft Balkan-Erntehelfer

Athen/Tirana (APA/Reuters) - Sonnengegerbt und verdrossen stehen vier albanische Erntehelfer am Grenzübergang zu Griechenland. Drei Wochen l...

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Athen/Tirana (APA/Reuters) - Sonnengegerbt und verdrossen stehen vier albanische Erntehelfer am Grenzübergang zu Griechenland. Drei Wochen lang haben sie in dem Nachbarland Kirschen und Pfirsiche gepflückt. Jetzt wollen sie zurück nach Hause, doch Geld für ein Taxi zur Weiterfahrt haben sie nicht. „Diesmal wurden wir nicht bezahlt“, sagt der 46-jährige Mustafa Kullolli.

„Sie haben uns gesagt, dass wir unsere 200 Euro bekommen, wenn die Banken wieder öffnen.“ So wie Kullolli und seinen Freunden geht es in diesen Tagen vermutlich tausenden Menschen aus Ländern wie Albanien, Mazedonien, Serbien, Kosovo und Bulgarien, die ihr Geld in Griechenland verdienen und jetzt die Zuspitzung der dortigen Krise voll zu spüren bekommen. Sie sind auf die Jobs angewiesen, denn ihre Länder sind noch ärmer. Doch schon längst zahlen sich die Arbeitseinsätze nicht mehr so aus wie noch vor einigen Jahren. Viele orientieren sich deshalb bereits um, etwa nach Deutschland, wo allein im Mai 4.900 Albaner ankamen.

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Schätzungsweise 600.000 Albaner arbeiten zeitweise in Griechenland. Die Wirtschaft ihres Landes, das immer noch unter den Nachwehen der Diktatur leidet, fußt zu einem nicht unerheblichen Maße auf den Summen, die die Saisonarbeiter nach Hause überweisen. Das Geld kurbelt den Konsum an und finanziert den Bau neuer Häuser. Vor der globalen Finanzkrise trugen diese Überweisungen - zumeist aus Griechenland und Italien - mehr als elf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Doch je mehr die Krise sich in Griechenland breitmachte, umso weniger Wachstum verzeichnete auch Albanien. 2013 waren es gerade noch 1,1 Prozent, so wenig wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Immerhin ein paar umtriebige Albaner scheinen einen Weg gefunden zu haben, aus der Situation Profit zu schlagen. Zollbeamte sagen, ihnen seien mehrere Menschen aufgefallen, die mit gebrauchten Traktoren nach Albanien kamen. Vermutlich machten sie bei griechischen Bauern ein Schnäppchen, die dringend Bargeld brauchten.

Für viele Albaner hat sich die Lage seit der Schließung der griechischen Banken allerdings verschärft. „Die Griechen haben kein Geld. Sie stecken selbst in der Krise“, sagt Kullolli. „Noch nie haben sie uns das Geld für unsere Landwirtschaftsjobs vorenthalten. Aber diesmal konnten sie wegen der Banken nichts machen.“ Selbst Erntehelfer, die noch bezahlt wurden, meinen, in Griechenland zu arbeiten, sei mittlerweile sinnlos. Viele sagen aber auch, dass das Nachbarland immer noch besser dran sei als Albanien, wo das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf vergangenes Jahr laut Weltbank gerade einmal 4.619 Dollar betrug - ein Viertel von dem in Griechenland. Trotz allem wollen sie deshalb weiter in Griechenland ihr Glück versuchen.


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