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Kontroverse um geplanten Moscheebau in Bukarest

Bukarest (APA) - Der geplante Bau einer der größten Moscheen Europas in Bukarest führt derzeit in Rumänien zu kontroversen Debatten. Während...

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Bukarest (APA) - Der geplante Bau einer der größten Moscheen Europas in Bukarest führt derzeit in Rumänien zu kontroversen Debatten. Während Ex-Präsident Traian Basescu im Projekt „die größte Gefahr“ ortet und dessen Ablehnung im Sicherheitsrat fordert, verspricht der Mufti der rumänischen muslimischen Glaubensgemeinschaft, Iusuf Murat, erhöhte Sicherheit durch eine bessere Kontrolle der religiösen Aktivitäten.

Die Regierung hat der muslimischen Glaubensgemeinschaft die Nutzungsrechte eines über 11.000 Quadratmeter großen Grundstücks im Wert von fast vier Millionen Euro unentgeltlich übertragen. Der Bau der Moschee, zu der auch eine Schule und eine Kantine für sozial Schwache gehören sollen, wird von der Türkei finanziert und muss laut Abkommen binnen drei Jahren beginnen. Die Moschee, die architektonisch ähnlich zur berühmten Blauen Moschee in Istanbul gestaltet werden soll, wird 2.000 Gläubigen Platz bieten.

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Wie Murat gegenüber der Nachrichtenplattform „Hotnews“ erklärte, ist das neue Glaubenszentrum notwendig, weil derzeit „90 Prozent“ der 17 Moscheen in Bukarest weder von der muslimischen Glaubensgemeinschaft noch vom zuständigen Ministerium offiziell zugelassen sind. Man wisse nicht, was darin gepredigt werde, und es hätte „lauter Prediger gegeben, die Probleme gemacht haben“, darunter einige, die des Landes verwiesen werden mussten.

Bereits anlässlich der Anschläge auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris im Jänner 2015 hatte der rumänische Mufti ein Gesetz gefordert, durch das ihm alle muslimischen Vereine unterstellt würden, um etwaigen Extremisten keine Plattform zu bieten. „Unsere Absicht ist, alle Muslime zu vereinigen und diese religiösen Aktivitäten in voller Sicht zu zelebrieren“, sagte Murat und versicherte, dass der Bau der Moschee „in erster Reihe der Sicherheit der Bukarester Bevölkerung zuträglich“ sei.

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Dem widerspricht Basescu, zu dessen Rolle bei den bisherigen Verzögerungen des Bauvorhabens der Mufti „keinen Kommentar“ abgeben wollte. „Es gibt kein größeres Risiko, als muslimische Studierende ins Land zu holen“, erklärte Basescu, der die Entscheidung als „leichtsinnig, wenn nicht antinational“ bezeichnete. Basescu schätzte die Anzahl der Muslime, die das Zentrum aus dem Ausland anziehen würde, auf 60.000.

Auch das Zentrum für die Beobachtung und Bekämpfung von Antisemitismus (MCA) warnte vor der Gefahr „wahrscheinlicher Versuche“, das Projekt in ein Zentrum „für radikale islamische Elemente“ zu verwandeln, in dem „antisemitische, antichristliche, antidemokratische und terroristische Aktivitäten“ beherbergt werden könnten.

Staatspräsident Klaus Johannis (Iohannis) versucht zu beruhigen. Anlässlich des Iftar-Empfangs, der anlässlich des Fastenmonats Ramadan in Bukarest veranstaltet wurde, erklärte er, dass sich die Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft in Rumänien für „das europäische Projekt und das nordatlantische Engagement“ einsetzen würden. Johannis betonte, dass kulturelle Diversität und die Rechte ethnischer und religiöser Minderheiten „zu einem starken Rumänien“ gehören.

Laut offiziellen Daten leben fast 10.000 Muslime in Bukarest. Davon sind nur etwa die Hälfte rumänische Staatsbürger. Die größte und sehr traditionsreiche muslimische Gemeinschaft in Rumänien befindet sich im Gebiet Dobrogea in der Nähe der Schwarzmeerküste und zählt etwa 70.000 Mitglieder. Insgesamt macht die muslimische Gemeinschaft 0,3 Prozent der rumänischen Bevölkerung aus. Einige Landesteile waren im Laufe der Geschichte teilweise über mehrere Jahrhunderte Provinzen des Osmanischen Reiches gewesen.


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