Tennis: ÖTV-Präsident Groß steht zum Austragungsort Kitzbühel

Kitzbühel (APA) - Nach der Niederlage in Kitzbühel muss das ÖTV-Davis-Cup-Team nun eine Weile warten, ehe man den ersten Gegner 2016 kennt. ...

Kitzbühel (APA) - Nach der Niederlage in Kitzbühel muss das ÖTV-Davis-Cup-Team nun eine Weile warten, ehe man den ersten Gegner 2016 kennt. Erst nach dem Weltgruppen-Play-off (18. bis 20.9.) stehen ja alle Kandidaten für die Europa-Afrika-Zone I fest. Mit im Pool ist u.a. aber auch Spanien, das ohne Rafael Nadal und David Ferrer in Russland mit 2:3 unterlag und wie Österreich zweitklassig bleibt.

Der seit 1. März als Nachfolger von Ronnie Leitgeb im Amt des ÖTV-Präsidenten fungierende Robert Groß war nach dem ersten Heimspiel seit über drei Jahren enttäuscht. „Natürlich bin ich enttäuscht, ich hätte eigentlich ein 3:2 für uns vorausgesagt gehabt“, erklärte der 67-jährige Oberösterreicher. „Wenn Dominic am ersten Tag den Punkt gemacht hätte, wäre es vielleicht leichter gewesen. Man hat auch gesehen, dass es möglich ist, Robin Haase zu schlagen.“ Groß weiß freilich auch, dass Thiem viel besser spielen kann. „Er ist ein junger Spieler, der noch Formschwankungen hat, aber er ist die Zukunft des österreichischen Tennis.“

Auch in der Europa-Afrika-Zone I 2016 bleibt es für den Neo-Präsidenten das Hauptziel, ein starkes Team mit Thiem zu haben. „Ich werde alles versuchen, die besten Spieler in das Nationalteam zu holen. Auch wenn wir in der Europa-Afrika-Zone spielen. Das ist wie im Fußball: es muss eine Ehre sein, für Österreich zu spielen.“

Die Location Kitzbühel habe sich bewährt, allerdings werde auch beim nächsten Heimspiel der Ort wieder ausgeschrieben. Beim Schauplatz Pörtschach, der von einigen Spielern gewünscht wurde, hätte der ÖTV draufzahlen müssen. „Es kann nicht sein, dass wir beim Davis Cup einen Verlust machen. Das ist nicht notwendig, wenn Orte sich bereit erklären, Beträge zu zahlen, damit der ÖTV positiv aussteigt.“ Und auch im Nachhinein gesehen, glaubt Groß, „dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben“.

Der Vertrag mit Kapitän Stefan Koubek läuft zwar am Jahresende aus, doch grundsätzlich spricht für Groß nichts gegen eine Verlängerung. Allerdings muss der neue Vertrag erst ausverhandelt werden. Jene Vereinbarung mit Thiem-Trainer und -Manager Günter Bresnik, wonach die Bresnik-Akademie sich in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland verstärkt um den 8- bis 14-jährigen Nachwuchs kümmern soll, muss für Groß nicht aufs Papier.

„Bei mir zählt Handschlagqualität. Wenn ich etwas ausmache, dann brauche ich keinen Vertrag“, meinte der ehemalige Landesdirektor der Sparkasse Oberösterreich. Er ist sich sicher, dass man auch in Zukunft mit Thiem rechnen kann. Bresnik hatte sich Änderungen in der ÖTV-Nachwuchsarbeit ja ausbedungen. „Wir wollen eine Gruppe für 8- bis 14-Jährige schaffen, wo auch die Eltern und die Spieler bereit sind, diese Intensität zu gehen“, erklärte Groß. Bis zu fünf Mal in der Woche soll mit dem Nachwuchs trainiert werden. „Bresnik ist nicht vom ÖTV bezahlt, ihn bezahlen die Länder“, stellte Groß klar. Man werde sich das einmal anschauen. „Es ist ein Pilotprojekt, das wir auf ganz Österreich ausdehnen wollen.“

Die harte Hand, für die Bresnik bekannt ist, gefällt dem am 12.12.1947 in Steyr geborenen Groß. „Ja, er ist bekannt als Schleifer, der duldet überhaupt keine Ausnahmen, ist sehr konsequent und das taugt mir. Im Tennis kommt man nur mit harter Arbeit weiter. Es wurden schon viele Talente hochgejubelt, und die sind dann auf der Strecke geblieben, weil sie schlampige Talente waren.“ Zudem, so Groß, wäre es „verrückt“, wenn man das Know-how eines Spitzentrainers wie Bresnik nicht nützen würde.

Im Nachwuchs macht sich Groß vor allem bei den Mädchen Sorgen. Darum soll bis Ende September ein Damen-Konzept präsentiert werden. Für die ferne Zukunft wünscht sich Groß ein Stadion für das Tennis in der Südstadt. „Die Vision ist sicherlich, in der Südstadt eine multifunktionelle Halle zu bekommen, wo wir unsere Heimspiele austragen können. Und noch schöner wäre, wenn wir unser Sekretariat auch dort unterbringen könnten, weil wir ja jetzt eingemietet sind.“

Im Gegensatz zu dem wegen mutmaßlicher Veruntreuung von Fördermitteln in die Schlagzeilen gekommenen Schwimmverband (OSV) steht für Groß der ÖTV, dem aktuell ein Jahresbudget von 2,9 Millionen Euro zur Verfügung steht, finanziell auf sicheren Beinen da, versicherte er auf Nachfrage der APA - Austria Presse Agentur. „Bevor ich Präsident geworden bin, habe ich mir das sehr genau angeschaut. Ich komme aus der Bankbranche, das funktioniert alles bestens“, versicherte Groß. „Finanziell können Sie ganz sicher sein, da können sie jeden zu uns schicken.“

Man achte auf gute Zusammenarbeit mit der BSO (Bundessport-Organisation), schließlich müsse man die Förderungen ja auch belegen. „Da wird nichts schwarz gezahlt.“ In Sachen Budget will Groß aber auch neue Sponsoren suchen und hat ein hohes Ziel. „In ein, zwei Jahren möchte ich ein Jahresbudget auf der Seite haben.“