Niederländische Unis wollen Verlag Elsevier boykottieren

Wien (APA) - Im Bemühen für freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access) wollen die niederländischen Unis den Wissenschaf...

Wien (APA) - Im Bemühen für freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access) wollen die niederländischen Unis den Wissenschaftsverlag Elsevier boykottieren. Ziel ist, dass bis 2024 alle Arbeiten niederländischer Wissenschafter frei zugänglich erscheinen. Der österreichische Wissenschaftsfonds FWF unterstützt die Position der Niederländer zu Open Access, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Bereits 2012 protestierten Tausende Wissenschafter in einer Initiative gegen Elsevier, einen der weltgrößten Fachverlage. Dieser publiziert rund 2.600 Zeitschriften, darunter einige der wichtigsten naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften wie „Cell“ und „The Lancet“. Dabei stützt sich der Verlagsriese auf ein großes Netz an Forschern, die Artikel begutachten oder als Herausgeber fungieren - das meist auf ehrenamtlicher Basis funktionierende „peer review“-Modell.

Dennoch sind die Preise für die Fachjournale hoch, was Bibliotheken und Forschungseinrichtungen vor Probleme stellt. Neben überhöhten Abonnementgebühren wird auch die Praxis kritisiert, wenige wichtige Zeitschriften in großen Paketen gemeinsam mit weniger populären Publikationen zu verkaufen.

Die Niederländer verfolgen bei Open Access den „Goldenen Weg“. Dabei zahlen die Unis bzw. Forschungseinrichtungen für die Veröffentlichung einer Arbeit, auf die dann jedermann frei zuzugreifen kann. Mit einigen Verlagen wie Springer oder Wiley hat die Vereinigung der niederländischen Unis (VSNU) entsprechende Vereinbarungen erzielen können. Mit Elsevier habe man sich bisher nicht annähern können, so der Präsident der Radboud Universität, Gerard Meijer, der gemeinsam mit Koen Becking von der Tilburg University für die VSNU mit dem Verlag verhandelt.

Als ersten Schritt eines dreistufigen Boykott-Plans hat die VSNU daher Forschern, die als Herausgeber einer bei dem Verlag erscheinenden Fachzeitschrift fungieren, empfohlen, ihren Funktion zurückzulegen. Sollte dies ohne Wirkung bleiben, sollen als nächste Schritte die Gutachter aufgefordert werden, nicht mehr für Elsevier zu arbeiten und schließlich die Forscher, nicht mehr in Elsevier-Zeitschriften zu publizieren.

Der FWF unterstütze die Bemühungen der Niederlande, von Großbritannien und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in Deutschland, das wissenschaftliche Publikationssystem ohne Mehrkosten so schnell als möglich auf Open Access umzustellen, heißt es in der Aussendung. Österreich gehöre mit den beiden Ländern und der MPG zu den Ländern, die weltweit die ersten Open-Access-Abkommen geschlossen haben.

So wurden 2014 Vereinbarungen mit den Verlagen IoP Publishing und Taylor & Franics erzielt, Verhandlungen mit anderen Verlagen seien unter Einbeziehung der Universitätenkonferenz (uniko) im Laufen. „Bedauerlicherweise war Elsevier bisher nicht bereit, Verhandlungen mit Österreich über Open Access zu führen“, betonte man beim FWF. Für die Verlängerung der derzeitigen Verträge mit dem Verlag würden die Erfahrungen der Niederländer „sehr nützlich“ sein.

Im Open Access Network Austria (OANA), dem fast 50 Institutionen angehören, wird seit 2012 an einer konkreten Open-Access-Strategie für Österreich gearbeitet.

(SERVICE: Internet: Bericht über den Boykott auf der News-Seite der Tilburg University: http://go.apa.at/6P3mCfrb; FWF-Unterstützung für niederländische Position: http://go.apa.at/s9G1EOAS)