Ausflug an den Wolfgangsee
Auf der Festung Kufstein werden die Szenen der Operette „Im Weißen Rössl“ geprobt. Ab 31. Juli (Premiere) sind beim Operettensommer Aufführungen mit Ohrwürmern und schwungvollen Tanzeinlagen zu sehen.
Von Wolfgang Otter
Kufstein –Klaviertöne schweben über die Josefburg der Festung Kufstein, gerufene Anweisungen genauso wie Gelächter und manchmal auch ein „Verflixt“ sind zu hören – es steht fest: Die Proben für den Operettensommer haben begonnen. „Gewissermaßen nehmen wir hier die Montagearbeiten vor“, scherzt Ernst Theis, der auch heuer wieder die musikalische Leitung inne hat. Seit längerem wird bereits geprobt, auf der großen Bühne werden jetzt die „Szenen zusammenmontiert“. Heuer geht es mit vielen Ideen und Schwung in der Inszenierung von Wolfgang Gratschmaier (Produktionsleitung: Diethmar Straßer) für die Zuschauer zum Wolfgangsee, genauer gesagt ins „Weiße Rössl“.
Damit präsentieren Rudolf Berger (künstlerischer Leiter) und Josef Resch (Geschäftsführer) nach einem Musicalausflug zu „My fair Lady“ im Vorjahr, wieder eine Operette. Sie stammt von Hans Müller und Erich Charell, frei nach dem Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg. Die Musik schrieb Ralph Benatzky, die Liedtexte Robert Gilbert. Außerdem gibt es musikalische Einlagen u. a. von Robert Stolz (Die ganze Welt ist himmelblau) oder Robert Gilbert (Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?) zu hören.
Nicht umsonst gehört für Wolfgang Gratschmaier das „Weiße Rössl“ zu den Besten des Genres, wie er betont. Die Schöpfer haben alle bekannten Erfolgszutaten hineingepackt. Eine Liebesgeschichte, Situationskomik, mit der der Tourismusbetrieb verrissen wird, und natürlich die Musik. Ohrwürmer wie „Es muss was Wunderbares sein“ oder „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ begeisterten von Anfang an das Publikum. 1930 in Berlin uraufgeführt wurde die Operette während des NS-Terror-Regimes als „entartet“ eingestuft, da sie mit der Folklore respektlos umginge und jüdische Mitautoren habe. Im Ausland feierte sie hingegen Erfolge. Bekannt wurde sie auch durch mehrere Verfilmungen u. a. mit Johannes Heesters, Peter Alexander und Peter Weck.
Während sich in der Handlung des „Weißen Rössl“ die Darsteller zum Urlaub treffen, ist es für die Akteuere auf der Kufsteiner Bühne eine schweißtreibende Angelegenheit. Jede Szene muss immer wieder durchprobiert werden und unter dem Festungsdach klettern die Temperaturen nach oben. Da kommen besonders die Tänzerinnen und Tänzer des Europaballetts St. Pölten unter den Anweisungen der Choreographin Bohdana Szivacz ins Schwitzen.
Aber für viele der Darsteller gehört Kufstein zum Sommer. Zum Beispiel für Anita Götz als Ottilie. Sie hat im Vorjahr als Eliza in „My fair Lady“ einen Triumph gefeiert. Heuer bekommt sie Mehrzad Montazeri als Dr. Siedler zur Seite gestellt. Dauergäste sind auch Axel Herrig, Renée Schüttengruber, Gunther Hölbl. Gerald Pichowetz sowie Lilly Staudigl. Der Karrierestart von Juliette Khalil hingegen begann im Vorjahr, als sie spontan bei der Generalprobe für die erkrankte Götz einsprang. Heuer ist sie als Klärchen zu sehen. Selbst die Stadtmusikkapelle marschiert am Wolfgangsee auf. Ein Geheimnis lüftete man für die Probenbeobachter noch nicht: Was die junge Dame auf dem Skateboard genau darstellt. Etwa einen Hai? Die Antwort gibt es bei der Premiere am 31. Juli um 20.30 Uhr. Danach sind weitere neun Aufführungen zu sehen. Infos: www.operettensommer.com