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Asiatisches Trockenboxen als Kunst der Begegnung

Yuya Tsukahara und „Contact Gonzo“ bereichern mit ironischen Kampfperformances das diesjährige Wiener Impulstanz-Festival.

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© c_YoshikazuInoue

Von Bernadette Lietzow

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Wien – Fragt ein Performer, der eben von seinem Gegenüber zu Boden gebracht wurde, vorsichtig, ob dies Tanz sei. Die Antwort: „Das kannst du entscheiden.“ Choreograf Yuya Tsukahara und seine 2006 in Osaka gegründete Performance-Truppe Contact Gonzo kämpfen im wahrsten Sinn des Wortes gegen die Klischees von Meditation und mystischer Gelassenheit, die man vor allem mit dem Land der aufgehenden Sonne und mit Asien generell so bereitwillig assoziiert. Sie gehen sowohl an gegen die Regeln des klassischen Tanzes als auch gegen dessen inzwischen akzeptierte Dekonstruktion.

Beeinflusst von der vom US-amerikanischen Schriftsteller Hunter S. Thompson („Fear and Loathing in Las Vegas“) geschaffenen Form eines rohen, hypersubjektiven, eben „Gonzo“-Journalismus, versucht Tsukahara, dessen Konzept auf den Tanz anzuwenden.

Nun ist das international gern gesehene Ausnahmeensemble bei Impulstanz zu Gast und verursachte mit seinen zwei aufeinanderfolgenden Performances bei der Premiere am Freitag im inzwischen verwaisten Weltmuseum in der Wiener Hofburg sowohl Zustimmung als auch Irritation.

Choy Ka Fai, aus Singapur stammender Spurensucher asiatischen Tanzes, der im Rahmen seines Projektes „SoftMachine“, unter anderem auch mit einer parallel laufenden Ausstellung, eben jene schon erwähnten Asien-Klischees transparent machen möchte, ist im ersten Teil des Abends eine Art verdeckter Ermittler der „Contact Gonzo“-Unternehmung. In direkter Konfrontation mit Mastermind Tsukahara versucht er, sich in einem Crash-Kurs dessen Konzept von Bewegung als Begegnung, Aggression, Schmerz und Spaß anzunähern.

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Das funktioniert sowohl über eine Art Interviewsituation als auch über intensiven Körpereinsatz. Begleitet von Videosequenzen, die Tsukaharas Ideen illustrieren wie auch Einblicke in dessen Familienleben geben, nähert sich Choy Ka Fai dem Kosmos an.

Gegen Ende der knapp einstündigen Darbietung, wenn mit Unterstützung der restlichen Gonzos die Zitrusfrüchte-Schleuder zum Einsatz kommt, gerät die bis dahin subtil-herausfordernde Auseinandersetzung zwar etwas zur Junggesellenparty. Der Eindruck eines außergewöhnlichen Ansatzes kann dadurch aber nur wenig getrübt werden.

Richtig spannend, weil noch radikaler die Erwartungen an aktuelles Tanztheater in Frage stellend, gelingt die von Contact Gonzo nach einer Pause im Anschluss präsentierte Arbeit „untitled movements with a drummer coming a little later“.

Hier regiert die Straßengang-Ästhetik, wird Tanz gesellschaftspolitisch statt künstlerisch aufgefasst, wenn die vier Tänzer aneinanderknallen und animiert vom dazustoßenden ungarischen Drummer Balázs Pándi sich scheinbar immer brutaler begegnen.

Eine gelungene Beweisführung, wie weit und wie erhellend das Feld Tanz ausgeweitet werden kann.


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