Die Verarbeitung eines Lebens in Hollywood
Peter Bogdanovich versucht sich mit „Broadway Therapy“ nach langer Abwesenheit vom Kino an einer Komödie im Stil von Woody Allen.
Von Peter Angerer
Innsbruck –Als Hollywood Anfang der 1970er-Jahre ökonomisch und künstlerisch den Konkurs anzumelden begann, war Peter Bogdanovich einer der Retter, indem er den verblassten Glanz mit nostalgischen Erinnerungsstücken aufpolierte und die großen Western von Howard Hawks und die Screwball-Komödien von Ernst Lubitsch und ebenfalls von Hawks mit flatterndem Lametta verzierte. Doch nach drei Filmen („Die letzte Vorstellung“, „Is’ was, Doc?“ und „Paper Moon“) war Bogdanovichs Karriere schon wieder zu Ende, die wahren Retter der Traumfabrik hießen jetzt George Lucas und Steven Spielberg, während Bogdanovich nur der Nachruf des „flinken Leichenfledderers“ (Hans C. Blumenberg) blieb.
1983 drehte Bob Fosse, in den 70ern mit „Cabaret“ auch ein Retter des Hollywood-Musicals, den Film „Star 80“ über einen Zuhälter (Eric Roberts) aus der Provinz, der aus der Schönheit seiner Frau Kapital schlagen möchte. Die von Mariel Hemingway gespielte 20-Jährige wird in Hugh Hefners Playboy-Imperium als Playmate entdeckt und vom Regisseur Aram Nicholas für eine kleine Rolle engagiert. Den Aufstieg des begabten Starlets, das sich in den Regisseur verliebt hat, kann der gewalttätige Mann aber nur noch als machtloser Zaungast verfolgen, weshalb er für sich und seine Frau den Tod wählt. „Star 80“ wurde ein Welterfolg, denn der düstere Film erzählte von der Vermarktung weiblicher Schönheitsideale und verkaufte, den Voyeurismus des Publikums zynisch bedienend, ein Verbrechen unter den Reichen und Schönen in Hollywood. Das Mordopfer war in der Realität Dorothy Stratten, mit dem Regisseur Aram Nicholas war Bogdanovich gemeint, der mit Stratten 1980 – wenige Wochen vor ihrem Tod – den bemerkenswerten Kinoflop „Sie haben alle gelacht“ gedreht hatte. 1995, Bogdanovich war inzwischen mit Strattens jüngerer Schwester Louise verheiratet, schrieb er das Drehbuch „Broadway Therapy“, das die Ereignisse von „Star 80“ noch einmal erzählt – als schnelle Komödie ohne Mord und Zuhälter. Kein Produzent wollte diesen Film finanzieren, bis sich die neuen Regiestars der Hollywood-Komödie für den Altmeister einsetzten. Dank Wes Anderson und Noah Baumbach konnte Bogdanovich nach 15-jähriger Pause wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen.
Izzy (Imogen Poots) arbeitet in Manhattan als Callgirl und an ihren Träumen. Dabei kann ihr der Regisseur Arnold (Owen Wilson) helfen, der allen Prostituierten nach einem verschwitzten Quickie 30.000 Dollar als Starthilfe für ein neues Leben überreicht. Die Philanthropie des prominenten Regisseurs endet allerdings im Theater, wo sich Izzy als Isabelle um eine Rolle bewirbt. Nur Arnolds Frau Delta (Kathryn Hahn), der Star der Produktion, schätzt das komische Talent und setzt die Bewerberin gegen den Willen des um Diskretion bemühten Regisseurs durch. Aber es ist ohnehin der Zufall, der Regie und Skript übernimmt. Izzy/Isabelle kennt nicht nur alle Mitglieder des Ensembles aus intimen Begegnungen, ihre Kunden lassen auch ihr seelisches Gleichgewicht von einer einzigen Psychotherapeutin (Jennifer Aniston) wiederherstellen. Damit prallen sozusagen zwei Monopole aufeinander.
„Broadway Therapy“ sieht wie ein Woody-Allen-Film aus, doch Bogdanovich kann nur in der Schnelligkeit der Gags mithalten, während die Dialoge hausbacken daherkommen. Immerhin sanktioniert Quentin Tarantino mit einem Gastauftritt das Unternehmen. Statt nach Erotik verlangt es ihn nach einer langen Kinonacht.
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