Griechenland - Bundesbank traut Hellas einen zarten Aufschwung zu

Berlin (APA/Reuters) - Die Deutsche Bundesbank traut Griechenland eine konjunkturelle Erholung zu. „Bei einer günstigen Entwicklung und dem ...

Berlin (APA/Reuters) - Die Deutsche Bundesbank traut Griechenland eine konjunkturelle Erholung zu. „Bei einer günstigen Entwicklung und dem Start eines dritten Hilfsprogramms noch in diesem Sommer sollte sich die wirtschaftliche Lage allmählich verbessern“, schrieb die deutsche Notenbank am Montag in ihrem jüngsten Monatsbericht.

Zur Jahresmitte habe sich die Situation zwar wegen der Bankenschließungen und Kapitalkontrollen erheblich verschlechtert. „Wenn sich der Zahlungsverkehr und das Kreditgeschäft nach und nach normalisieren, sollten die hierdurch bedingten Produktionsunterbrechungen beseitigt werden.“ Die positiven Effekte aus dem gut laufenden Tourismus sowie den umfangreichen Investitionsprojekten, die mit Hilfe europäischer Strukturfonds finanziert werden, dürften dann noch stärker zur Geltung kommen.

Von April bis Juni war das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 0,8 Prozent doppelt so stark gestiegen wie das deutsche. „Dabei dürften zusätzliche Einnahmen im Tourismusgeschäft eine wichtige Rolle gespielt haben“, erklärte die Bundesbank. Danach dürften die Ende Juni eingeführten Kapitalkontrollen und die Bankenschließungen aber die gesamtwirtschaftliche Entwicklung „erheblich beschädigt haben“. Daher seien für 2015 insgesamt „größere gesamtwirtschaftliche Verluste zu erwarten“. Die meisten Ökonomen rechnen mit einem Rezessionsjahr: Sie erwarten ein Schrumpfen der Wirtschaft von mehr als zwei Prozent.

Grundsätzlich hält es die Bundesbank für möglich, Griechenland mit Hilfe des geplanten dritten Hilfsprogramms im Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro wieder auf eine solide Basis zu stellen. Die Ausgangslage habe sich aber deutlich verschlechtert. „Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Programmverlauf ist, dass zügig Reformen in Richtung eines wettbewerbsfähigen Wirtschaftsmodells und eines effizienteren Staatswesens umgesetzt werden und die Staatsfinanzen auf einen nachhaltigen Konsolidierungspfad einschwenken“, so die Zentralbanker. Dabei komme es vor allem auf die griechische Regierung an, einen grundlegenden Wandel herbeizuführen.

Ein Schuldenerlass ist nach Einschätzung der Bundesbank nicht zwingend erforderlich. Grundsätzlich könne jeder Schuldenstand auch durch Zins- und Laufzeitkonditionen der Hilfskredite tragfähig gemacht werden. So wäre im Extremfall ein Zinssatz von null Prozent und eine unendliche Laufzeit der Kredite mit keinerlei Schuldenlasten verbunden. Ökonomisch seien solche Zinserleichterungen ein Transfer. Sie unterschieden sich in ihrer Belastungswirkung für den Kreditgeber nicht von einer Minderung des Nominalwertes, also einem Schuldenerlass. Der Bundestag stimmt an diesem Mittwoch über das dritte Hellas-Rettungsprogramm ab.