Ungarns Wende-Primas Kardinal-Erzbischof Paskai gestorben

Budapest (APA/dpa) - Das ehemalige Oberhaupt der katholischen Kirche in Ungarn, Kardinal-Erzbischof Laszlo Paskai, ist am Montag im Alter vo...

Budapest (APA/dpa) - Das ehemalige Oberhaupt der katholischen Kirche in Ungarn, Kardinal-Erzbischof Laszlo Paskai, ist am Montag im Alter von 88 Jahren gestorben. Dies gab die staatliche Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Erzdiözese Esztergom-Budapest bekannt.

Von 1986 bis 1990 war der Franziskaner Vorsitzender der Bischofskonferenz und damit das letzte katholische Kirchenoberhaupt, das in der Zeit des Kommunismus amtierte.

1987 wurde er Erzbischof von Esztergom und damit Primas der katholischen Kirche in Ungarn. 2002 ging er in den Ruhestand. Vor der demokratischen Wende 1989 erwies sich Paskai als loyal zum kommunistischen Staat. Unter anderen lehnte er es ab, sich für Wehrdienstverweigerer einzusetzen oder für Priester, die entlassen wurden, weil sie sich geweigert hatten, den Eid auf den kommunistischen Staat abzulegen. Höhepunkte seines Wirkens als Primas waren die Ungarn-Besuche von Papst Johannes Paul II. 1991 und 1996.

2006 machte der ungarische Historiker Krisztian Ungvary öffentlich, dass Paskai in den 1970er Jahren unter dem Pseudonym „Tanar“ (Lehrer) als Informant für den kommunistischen Geheimdienst tätig gewesen war. Allerdings habe er mit seinen Berichten „niemandem geschadet“, räumte Ungvary ein. Paskai hatte sich zu den Vorwürfen damals nicht geäußert.

Der Kardinal wurde 1927 im südungarischen Szeged geboren. 1945 trat er in den Franziskanerorden ein, 1951 wurde er zum Priester geweiht und wirkte ab Mitte der 1960er Jahre am Zentralen Priesterseminar in Budapest, unter anderem als Rektor. 1978 wurde der Franziskaner zum Bischof geweiht und war anschließend als Bischof von Veszprem und dann als Erzbischof-Koadjutor von Kalocsa tätig. Nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Esztergom erhielt er 1988 von Papst Johannes Paul II. die Kardinalswürde, die dem Primas von Ungarn traditionell zusteht.