Innsbrucker Festwochen - Robin Johannsen: „Das ist einfach Quatsch“

Innsbruck (APA) - Am Mittwoch feiert Robin Johannsen ein seltenes Rollendebüt in Innsbruck. Die US-Sopranistin wird bei den Festwochen Alter...

Innsbruck (APA) - Am Mittwoch feiert Robin Johannsen ein seltenes Rollendebüt in Innsbruck. Die US-Sopranistin wird bei den Festwochen Alter Musik als Arsenia in Niccolo Jommellis praktisch nie gespielter Oper „Don Trastullo“ auftreten - und freut sich auf den „Quatsch“ wie sie im APA-Gespräch unterstrich. Schließlich sei die Barockoper, für die Festwochen-Chef Alessandro de Marchi am Pult steht, ein großer Spaß.

Dabei ist die kleine komische Oper um ein Heiratsschwindlerpärchen gar nicht einmal so typisch für Jommelli, der eher für die Opera seria steht. Vorproben gab es bereits in Italien, bevor man in Schloss Ambras mit der eigentlichen Einrichtungen des Events beginnt. Neben Johannsen, die bereits ein Festwochen-Stammgast ist, stehen mit Federico Sacchi und Francesco Castoro zwei Buffoexperten auf der Bühne.

APA: Jommelli ist ja selbst Barock-Spezialisten oftmals kein Begriff mehr. Wie sind Sie zur Rolle der Arsenia gekommen?

Robin Johannsen: Ich habe mich einfach gefreut, als Alessandro (de Marchi, Anm.) gefragt hat, ob ich die Partie singen möchte. Da habe ich sofort zugesagt. Ich glaube, dieses Stück wird WIRKLICH selten aufgeführt. Vielleicht begeistert es ja aber das Publikum, und wir bekommen ein paar Gastspiele. Wenn es aber gut klappt, ist man manchmal traurig, wenn nach zwei Vorstellungen schon wieder Schluss ist. Aber vielleicht kommt es mal wieder, man weiß es nie...

APA: Wovon machen Sie abhängig, sich die Arbeit anzutun, eine neue Partie zu lernen?

Johannsen: Es hängt bei mir in erster Linie von den Leuten ab, mit denen ich arbeite. Wenn es einen tollen Dirigenten wie Alessandro gibt, der meine Stimme sehr gut kennt und eine Partie für mich hat, dann weiß ich: Das wird passen. In anderen Fällen würde ich immer zuerst die Noten anschauen. In diesem Fall konnte ich aber einfach zusagen.

APA: Nachdem ihr „Blankoscheck“ ja nun eingelöst ist: Wie finden Sie „Don Trastullo“?

Johannsen: Ich finde es total schön. Das merkt man vielleicht nicht, wenn man nur die Noten ansieht. Aber wenn man es singt und mit anderen spielt, wird klar: Das ist eigentlich toll. Ich liebe es, die ernsthaften Figuren zu spielen, ich liebe es aber auch, einfach Quatsch zu machen. Und das ist einfach Quatsch. Niemand stirbt. Mann kann ja nicht jeden Tag sterben und die große Liebe verlieren. Manchmal muss man sich auch über etwas lustig machen.

APA: Wie geht Jommelli mit der Stimme um?

Johannsen: Das ist für meine Stimme ganz bequem zu singen. Natürlich gibt es sehr hohe und sehr tiefe Töne - aber die sind nicht von Jommelli, sondern von Alessandro. Wir haben ein paar kleine Veränderungen gesetzt, wenn wir die Rezitative etwas höher gesetzt haben, damit sie für meine Stimme am besten passen.

APA: Die Aufführung wird als „halbszenisch“ angekündigt. Wie viel passiert auf der Bühne?

Johannsen: Ich finde, wir machen eigentlich viel, auch wenn es halbszenisch heißt. Wir haben zwar kein Bühnenbild, aber einen großen Kasten, in dem sich Don Trastullo versteckt. Aber wir spielen, als ob es eine riesige Oper wäre - mit Kostümen und gehen während der Arien durch das Publikum. Wir nützen also den Raum.

APA: Haben Sie als Barockexpertin eine Erklärung dafür, dass der zu Lebzeiten so renommierte Jommelli nach seinem Tod in der Versenkung verschwunden ist?

Johannsen: Nicht wirklich. Das geht mir mit Antonio Caldara ähnlich. Vielleicht gibt es einfach so viele tolle Komponisten, und die Menschen wollen immer das hören, was man schon kennt. Das ist wie beim Radio, wo immer die gleichen 40 Lieder gespielt werden.

APA: Auch wenn Sie in Innsbruck Stammgast sind, haben Sie sich in Wien bisher eher rar gemacht. Wie kommt das?

Johannsen: Das hängt davon ab, ob man eingeladen wird. Ich hatte bisher einfach die Gelegenheit nicht. Ich würde gerne mal im Theater an der Wien singen, die machen so tolle Projekte. Aber vielleicht kommt das ja noch.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E - „Don Trastullo“ von Niccolo Jommelli im Rahmen der Innsbrucker Festwochen Alter Musik am 19. und 20. August in Schloss Ambras, Spanischer Saal in halbszenischer Ausführung. Musikalische Leitung: Alessandro de Marchi am Pult der Academia Montis Regalis, Regie: Christoph von Bernuth. Mit Robin Johannsen (Arsenia), Federico Sacchi (Don Trastullo) und Francesco Castoro (Giambarone). http://robinjohannsen.com ; http://go.apa.at/vmrQGlKW)